Blog

Die Schäfchen sind los

Was für einen lustigen Tag haben wir gestern verbracht.

Zunächst muss ich noch erzählen, dass ich mir, nach langem hin und her, ein Auto von einem Freund eines Freundes ausgeliehen habe. Ich war einfach super unglücklich, dass ich immer auf einen Fahrer angewiesen war in den letzten Monaten. Regelrecht ausgebremst habe ich mich gefühlt.

Daher also nun das Auto. Eigentlich zu viel Geld dafür, dass definitiv mehr Dinge am Auto nicht funktionieren als funktionieren. Aber es fährt. Laut, holperig, ein Seitenspiegel funktioniert nicht (was alle Pici Pici Fahrer um mich herum in noch größere Gefahr bringt, als sie es eh schon sind). Jeden morgen fülle ich Kühlwasser nach. Abperren geht nur von der Beifahrerseite, und da auch nur in einem ganz bestimmten Ritual.  Also jeder, der mich morgens vor dem losfahren beobachten kann, denkt sich wahrscheinlich, die Weiße hat einen Knall. Aber es macht mich glücklich. So viele Dinge, die ich jetzt einfach selbst erledigen kann oder Orte, an denen ich nun auch mal nur für einen halben Tag oder ein paar Stunden rausfahre, wenn ich Lust dazu habe. Ein Hochgefühl!

Der ein oder andere in Deutschland denkt sich wahrscheinlich, warum kauft sie sich nicht einfach ein Auto. Aber mit meiner gerade gestarteten Selbstständigkeit und nach fast 2 Jahren ohne Einkommen überhaupt, gibt es mein Budget einfach nicht her. Und ich jammere nicht. Ich entscheide das ja ganz bewusst für mich. Und erst habe ich gedacht, es macht mir nichts aus, wenn ich mir einen Fahrer gönne, um die ganzen Projekte besuchen zu können. Aber es ist einfach komisch. Obwohl Jafet, mein Fahrer, wirklich ganz bezaubernd ist, aber selbst fahren ist einfach cooler. Also flitze ich (flitze in „“, weil flitzen mit dem Auto auf Holperpisten eh max 30 bis 50 km/h bedeuten) nun  fleißig durch die Gegend.

Gestern sind wir unter anderem zu Ramah geflitzt. Das ist ein Arbeiter von Neema Village, der so lieb war, sich Ende letzten Jahres meines Schafs, was ich von Mama Iddi geschenkt bekommen habe, anzunehmen, bis ich weiß, was ich damit machen möchte. Bis ich es gewusst habe ist aus einem Schaf schon zwei Schafe geworden. Und das 2. hat eigentlich auch die Entscheidung gebracht, dass so eine kleine Mini-Schafzucht auch was Schönes ist!  Daher haben wir bei Ramah das schönste Schafbaby der Welt und dessen Mama in den Kofferraum gepackt (so macht man das hier). Ich bin wirklich stolz wie eine Mama auf diesen süßen Nachwuchs. Das Schafbaby ist perfekt! Ich schwöre es. Es ist das Schönste in dem ganzen Stall gewesen! Also haben wir sie in den Kofferraum verfrachtet und sind dann mit gar nicht so schlimmem Gemäckere zu Janes Waisenhaus rausgefahren. Eine Stunde haben sich die Schäfchen brav durchschaukeln lassen auf dem Weg zu Jane.  Auf und ab – die letzten 20 Minuten führen wirklich auf super staubigen und super holperigen Wegen zum Waisenhaus.

Dort war das Hallo groß. Die Kinder wussten schon, dass ich ihnen die Schafe bringen werde und sie haben sich schon so darauf gefreut. Welch bezauberndes Bild!

Und dann haben wir die Schafe rausgelassen. Das Babyschaf hat erstmal bei Mamaschaf was zu Essen gefasst und dann sind die beiden über das Waisenhausgelände geflitzt. Durch die Wäscheleinen durch, am Spielplatz vorbei und haben ihre wiedergewonnene Freiheit genossen.

Mama Jane und ich wollen schauen, dass wir hier noch mehr Schafen auf die Welt helfen und diese dann an die Familien, mit denen wir zu tun haben, verschenken oder auch mal welche verkaufen, um für das Waisenhaus eine Einkommensquelle zu haben. In jedem Fall möchte ich das nächste Babyschaf an Mama Iddi, die Schenkerin meines Schafes, zurückgeben. Sie soll wissen, dass ihr Schaf nicht im Topf gelandet ist, sondern das Leben anderer Menschen weiter verändert. Und das macht Laune!

Daher einfach glückliche Grüße von der Schäferin!

Eure Mariya

Meine neue Chefin – die Regenzeit!

Schon lange ist es her seit meinem letzten Blog.

Es kommt mir gar nicht so lange vor aber gefühlt regnet es schon seit Ewigkeiten und bei dem Tag für Tag eintönigen Blick aus dem Fenster und dem plätschern Tag und Nacht habe ich irgendwie gar kein Zeitgefühl mehr. Und es nervt mich schon sehr aber da ich ja „nebenbei“ mein eigenes Business gestartet habe, ist es vielleicht genau richtig so, wie es ist, da ich eindeutig mehr Zuhause bin und arbeiten kann, als das normalerweise der Fall wäre. Aber eigentlich ist es verrückt, dass ein (mein) Leben fast zum Stillstand kommt oder genauer gesagt, jede Terminplanung am Ende des Tages eh nix Wert ist, weil in der Regenzeit eigene Gesetze gelten.

Noch Eigenere, als eh schon??! Ja Ja. Bei uns vor die Türe zu gehen ist jeden Tag ein kleines Abenteuer (in Gummistiefeln). Straße ganz weggeschwemmt oder nur „ein bisschen“?  Autos und Motorräder im Schlamm steckengeblieben? Abwasserkanäle überschwemmt oder ganze Mauern verschwunden?

Daher tauschen Christopher und ich uns fast jeden Morgen per Whats app aus und besprechen, ob wir wie geplant losziehen oder nicht. Oder nicht ist momentan leider sehr oft die Antwort.

Bei den Besuchen, die ich machen kann, bringe ich gerade neben Lebensmitteln auch so dünne Notfalldecken mit, die ich von einem ehemaligen Kollegen aus der Heimat bekommen habe. Wer hätte gedacht, dass diese kleinen Dinger doch tatsächlich auch für so was sehr gut sind. Denn bei den meisten meiner Mamas regnet es rein… auf deren Lehmboden, auf Ihr Bett… und so hält die Decke zumindest etwas warm.  Leider haben wir (noch)nicht die Mittel schwupp die wupp Häuser instand zu setzen.

Doch grundsätzlich herrscht hier trotz aller Widrigkeiten gute Stimmung.  Der Regen bedeutet auch, dass es grün ist, dass Gemüse und Obst gesät und geerntet werden kann.

Also beiße ich die Zähne zusammen, zieh die Gummistiefel an und los geht’s!

Auf dass im Juni auch schon wieder alles vorbei ist 🙂

Ganz liebe Grüße

Eure Mariya

 

 

 

Dieses Mal in eigener Sache…

Auf Kundensuche!

Hallo Ihr Lieben,

dieses Mal gibt es einen Blog in eigener Sache. Nach 18 Monaten, in denen ich ausschließlich ehrenamtlich tätig gewesen bin, ist es an der Zeit für mich, wieder ins Geld verdienen zu kommen.

Gar nicht so einfach, wenn man vermeintlich alle Optionen hat. Was schnell klar war, dass es kein zurück in mein altes Leben geben soll. Ich möchte nach wie vor Zeit in Tansania verbringen, um meine Projekte zu betreuen.

Daher habe ich mich entschieden, mich als virtuelle Assistentin selbständig zu machen. Was das bedeutet? Das ich meinen Kunden Zeit fürs Wesentliche schaffe.

Das kann im Bereich des Büromanagements Emails beantworten/schreiben, Reiseplanungen, Termine koordinieren, Präsentationen vorbereiten sein.

Es kann aber auch Pflege von Facebook/Instagram und Website sein und sonst noch alles, was ich erledigen kann, ohne vor Ort zu sein.

Wer mich aus meinem Berufsleben kennt weiß, dass ich es meinen Kunden schon immer gerne leicht gemacht habe. Auf professionelle, zuverlässige Unterstützung gepaart mit sehr hohem Servicestandard ist Verlass.

Daher macht Bitte Werbung für mich oder überlegt selbst, ob am Ende Eures Tages noch so viel Arbeit übrig ist, die Ihr gerne abgeben würdet. Stundenweise, nur ein bestimmtes Projekt oder langfristig. Alles ist möglich.

Meine Homepage:  www.mariyahalapi-va.de

Schaut Euch dort um und kommt gerne auf mich zu.

So schön wäre es, wenn ich mit Eurer Unterstützung meine Kunden finde! Und mein Leben mit Phasen in Tansania weiter finanzieren kann.

Danke fürs Teilen 🙂

Eure Mariya

Wie Träume wahr werden…

es ging ganz still und leise los, als sich im letzten Jahr,  die Firma A&R Textil GmbH aus Neukirch dazu entschlossen hatte, mein Mütterprojekt im Neema Village zu unterstützen und eine Nähschule gesponsert hat. Schon damals konnte ich mein Glück nicht fassen. Alexander Horn (der Geschäftsführer) und seine Frau Betti  (mit der ich in der selben Bank gelernt habe) haben gehört, wo ich bin. Sie wollten mehr wissen und haben sich dann entschlossen zu unterstützen.

Was für ein Glück für so viele Mamis, die nun ein Handwerk erlernen durften, was so wichtig in Tansania ist. Genäht wird in jeder kleinen Straße, auf dem Markt, in der Stadt und in den Dörfern draußen.  Aus den wunderschönen bunten einheimischen Stoffen wird Sonntagskleidung und Alltagsklamotte genäht, Taschen, Vorhänge und Schuluniformen. In der Nähmschine steckt Leben. Leben im wahrsten Sinne des Wortes.

Als ich Ende letzten Jahres A&R Textil erzählt habe, dass der Zufall mich zu Jane´s Waisenhaus in Arusha  geschickt hat und ich dort tätig sein werde, dann hatten sie auch dafür ein offenes Ohr und haben sich entschlossen, auch diesem Traum unter die Arme zugreifen.

Wir haben also eine zweite Nähschule ins Leben gerufen, wo Waisenkinder im Teenageralter nähen lernen. Dank Isaak, Monika und meiner Orupa wird gelernt, geübt, gelacht  und designed.

Es gibt eigentlich keine Worte, die meine Gefühle treffen. Als ich mich damals nach Tansania aufgemacht habe, hatte ich keine Ahnung, was wir bewegen werden können. Ich hatte und habe die Zeit – aber nicht die finanziellen Mittel. Und das war ok für mich. Doch sobald man hier ist, Hände schüttelt, Mamis umarmt, Babies auf dem Schoß hat oder sich zum x.ten mal vollspucken lässt, verändert sich das. Mein Wunsch, zu helfen, hat nun Namen und Gesichter. Und ich bin zutiefst dankbar, dass so viele von Euch sich haben anstecken lassen von meinen Geschichten. Ohne Euch und Eure zahlreichen Hilfen hätte ich nichts zu tun hier.  Und wir haben viele kleine, mittlere und größere Schritte gemacht. Und dann jetzt noch  mehr große Schritte Dank A&R Textil (die übrigens nicht wissen, dass sie heute hier erwähnt werden).

Und wenn ich in Janes Waisenhaus um die Ecke komme und diese jungen Menschen sehe, die so wissbegierig sind und aufgeregt zeigen, was sie schon gelernt haben. Wenn Sie mich „Tante“ nennen (was tausendmal besser ist als „Mzungu“ (weiße – wie es am Anfang war), dann geht mir das Herz auf. Es ist ansteckend. Und mein kleiner Traum, der irgendwo in meinem Kopf ganz klein vorhanden war, traut sich vor und geht in Erfüllung. Ein kleiner Traum, der schon von einer Fortsetzung träumt.  Ein Traum für die Kids ist schon wahr geworden, weil sie nähen lernen dürfen. Doch wir spinnen alle schon neue Träume. Was wäre mit einem Nähladenlokal/Cafe in der Stadt?  Einheimische Kunden aber auch Kunden von überall auf dem Erdball zu haben. Schuluniformen im großen Stil verkaufen, Jobs für die Älteren unter ihnen, die in dem Laden arbeiten könnten. So vieles 🙂

Schauen wir mal, was davon in Erfüllung geht.

An dieser Stelle Danke an Euch alle und ganz besonders auch an Alex und Betti Horn. Danke schön, dass Ihr Träume mit wahrmacht.

Herzliche Grüße und einen tollen Start in die neue Woche.

Eure Mariya

 

 

Feststecken…

Heute Mittwoch, der Neema Tag – mit Emily sind wir los in der früh und haben gesehen, wie die Regenzeit nun wirklich nicht zu übersehen ist. Wasserlöcher überall, Hauptstraßen überschwemmt, überall große matschige Abschnitte, wo wir vorher noch nicht wissen, ob, wenn wir durchfahren, es noch ein nachher geben wird oder ob wir nicht einfach stecken bleiben.

Anna, meine Kollegin, die gestern nicht zur Arbeit kommen konnte, weil vor ihrem Zuhause alles überschwemmt gewesen ist. Die starke Strömung hat zwei der Nachbarskinder mitgenommen, Müll und zum Teil der Hausstand der Menschen schwimmt am Straßenrand umher.

Und ich denke an meine letzten Wochen – ich bin nach Hause geflogen über Ostern. Grund: Heimweh. Festgesteckt in den Wirrungen meiner Zukunftspläne. Bleiben. Nicht bleiben. Geld verdienen? Selbständigkeit angemeldet. So viel, dass ich in meinem eigenen Hochwasser gestrandet bin und mein Ausweg ein Flug nach Hause gewesen ist. Meine Mama, die mich sofort in diese Glücksblase eingeschlossen hat, wie es wohl nur Mamis können. Lieblingsessen, Ausflüge in die Natur und eine Bestärkung in allem was ich tue. Meine Freunde und ihre Familie mit Tonnen von Schokohasen, Umarmungen, Aperol Sprizz und Mädels Abenden. Mut und Kraft aufgetankt. Und meine Mutter, die sagt, Du musst nicht wieder zurück, wenn Du nicht willst.

Ich weiß. Doch ich will. Auch wenn es manchmal nicht einfach ist.

Doch die Menschen, die ich hier begleiten darf, verdienen es, dass ich noch etwas durchhalte. Da ist Mama Iddi, die im letzten Jahr kein wasserdichtes Dach über dem Kopf hatte. Heute schon.

Da sind kleine Familien, denen wir helfen, den Mut nicht zu verlieren, wenn das Leben auch, insbesondere bei diesen Wetterbedingungen, härter ist als eh schon. Mit Lebensmitteln und Kleidung aushelfen, Mieten bezahlen bis sie soweit sind, wieder für sich selbst zu sorgen. Gebrauchte Kleider für ein Kleiderbusiness, Kapital für den Obst/Gemüsehandel. Ihnen Nähen beizubringen, um das irgendwann als Geldeinnahmequelle nutzen können. Und noch so Einiges.

Ich stecke fest und buche einfach einen Flug nach Haus, um wieder aufzutanken. Diese Menschen stecken gerade nicht selten im Matsch fest oder haben ihn gleich im Hause. Keine leichte Option. Also bleib ich dran…

Arusha today

 

Und füge hinzu, dass ich trotz Regen in der Nacht trockenen Fußes, bei Sonnenschein den Rest des Tages verbracht habe und immer noch draußen im Freien die schöne milde Luft genießen darf während ich diesen Blogpost schreibe.

Grüße aus Arusha

Eure Mariya

Hand in Hand unterwegs mit Annett…

Welten verändern

Wie schön es doch ist, wenn man Freunde zu Besuch hat. Freunde, wie Annett, für deren Verein Hand in Hand for Tanzania e.V. ich hier in Tansania tätig bin (sein darf :-))

Eine Freundin, die Tansania und seine Menschen ins Herz geschlossen hat. Die neben ihren Jobs in Deutschland mit ihrer Familie die Energie und Zeit investiert hat, einen Verein zu gründen, Menschen jeden Tag für ihre Sache zu begeistern. Und ich bin sehr dankbar, hier in Tansania ein Teil von dem Ganzen sein zu können. Die Projekte mit voranzubringen, die sie auf der Agenda haben. Und daher genieße ich ihren kurzen Besuch und kann in meiner eigenen Sprache berichten, was wir alle gemeinsam auf den Weg bringen konnten.

Eine davon ist Mama Vincent, der wir Kapital zur Verfügung gestellt haben, damit sie Obst und Gemüse verkaufen kann und sich und ihrer Familie damit eine Existenz aufbauen kann. Mama Vincent wurde von ihrem Mann verlassen. Ihr 15- jähriger Sohn versucht mit vielen kleinen Jobs einen Beitrag zur Lebenshaltung zu leisten, doch leicht ist das nicht. Und dann ist da ihr kleines Haus. Das Gute: es ist ihr Haus. Das Schlechte: ich sitze hier und sehe den Lehmboden und die Lehmwände und kann spüren, wie es hier zur Regenzeit aussehen muss. Denn sogar jetzt, wo die Regenzeit noch gar nicht richtig los gegangen ist (obwohl wir jeden Tag so fieberhaft drauf warten), ist alles etwas moderig. Und zu viele Häuser habe ich in der letzten Regenzeit gesehen, die sich quasi in undichte Ungetüme verwandelt haben, in denen Leben eine noch härtere Herausforderung ist, als es eh schon jeden Tag der Fall ist.

Daher haben wir nun mal angefragt, was eine Instandsetzung dieses Zuhauses kosten würde. Wir warten noch auf ein detailliertes Angebot, doch mit ca. 1000 EUR ist zu rechnen.

Nur 1.000 EUR oder oh weh, 1.000 EUR?! Ich weiß es nicht. Anbei ein paar Bilder von dem Zuhause. Vielleicht möchte ja jemand von Euch mit dazu beitragen, dass wir dieser Mama ein bisschen Gemütlichkeit ins Haus bringen können. Dann kommt bitte auf mich zu!

 

Weiter ging die Besuchstour nach Monduli mit Annett. Hier zahlen wir bereits Mieten und/oder medizinische Check-Ups für insgesamt 4 Familien. Wir haben Mama Bertha gebauchte Kleidung überlassen, damit sie diese verkaufen und so ihr eigenes Business starten kann. Wir haben aber auch von einer Mama gehört, dass sie HIV Positiv ist und zur Zeit gesundheitlich angeschlagen ist. Das Business, was sie gerne machen wollte, kann sie leider nicht machen. Joyce wollte Kochen, um für ihre 4 Kinder eine Lebensgrundlage zu schaffen. Mit Kochen bekommt sie leider keine Kunden bzw. mit der HIV-Positiv Diagnose darf sie nichts machen, wo sie mit Lebensmitteln in Berührung kommt.

Nun überlegen wir eventuell eine Nähmaschine zu organisieren und aus dem Ort einen Lehrer. Nähen ist hier in Tansania ein sehr wichtiges, etabliertes Business. Die Einheimischen kaufen sich die bunten Stoffe und lassen sich ihre Sonntagskleidung und auch sonst sehr vieles schneidern.

Abgerundet haben wir die Tour mit dem Besuch von Kristina, die ebenfalls aus der Gruppe in Monduli ist. Sie ist 57 Jahre alt und wohnt mit einer Tochter und 4 Enkelkindern in ihrer Shamba. Eine ihrer Töchter hat ihre zwei Babys mit Kristina gelassen und ist verschwunden. Sie betreibt Landwirtschaft und macht das schon ganz gut. Wir möchten hier einen Freund von uns mitnehmen der Massai Familien hilft, Grund und Boden optimal zu bewirtschaften. So können wir ihr etwas unter die Arme greifen, dass sie ihre Felder noch besser nutzen kann. Auch ihr Haus ist leider in einem sehr bemitleidenswerten Zustand und da sind die nächsten Pläne auch, stückweise instand zu setzen – je nachdem, wie sie Geld dafür zur Verfügung hat.

So viel Gutes ist schon passiert. Annett war recht still auf der Rückfahrt. Denn viel Gutes ist angeschoben, doch manchmal stopfen wir ein Loch und dann gibt es gleich um die Ecke ein Anderes. Das stimmt nachdenklich. Aber auf der anderen Seite stopfe ich liebend gerne dieses eine Loch mit Eurer Hilfe als gar nicht erst anzufangen. Ich konzentriere mich auf diese eine kleine Familie und mag es noch so ein kleines Stück der Welt sein – für diese Familie bedeutet es deren ganze Welt.

Also machen wir weiter und verändern kleine Welten.

 

Ich drück Euch

Eure Mariya

 

Einfach…

…Und sehr nachdenklich stimmend.

Außerhalb Arusha packt mich immer der Frieden.

Aber außerhalb Arushas herrscht auch unfassbar viel Armut, welche man sich manchmal gar nicht recht vorstellen kann, wenn man irgendwo gemütlich auf der Couch sitzt.

Ein besonderer Tag hat uns nach Monduli in ein Massai Dorf gebracht. Julius, der ein landwirtschaftliches Projekt verantwortet, hat uns mitgenommen. Er unterrichtet Massai im Anbau von Gemüse und besucht eine der Burmas (Familie) regelmäßig, um sicher zu stellen, dass das beigebrachte auch umgesetzt wird. Zunächst mal galt es Überzeugungsarbeit zu leisten, dass die Massai überhaupt „Grünes“ anbauen. Warum sollten sie etwas anpflanzen und essen, was man den Kühen geben würde (!!!).

Auf dem Weg zum Dorf haben wir das Auto noch vollgepackt mit Wasser, Bananen und Jacken für die Kinder. Die Regenzeit steht kurz vor der Tür und die meisten Kinder haben keine angemessene Kleidung, laufen aber oft eine Stunde in die Schule. Oder eine Stunde zum Wasserholen. Oder hüten Kühe und Ziegen. Also bringen wir Jacken. Julius ist gegen Essen, was man nicht sofort vertilgt, da die Mütter und Väter es den Kindern wegessen würden.

Dann sind wir da. Die Kinder kommen sofort aufgeregt angerannt. Angst haben sie nicht. Julius ist ein regelmäßiger Besucher und daher sind die Kinder auch offen für uns. Schmutzige Patschehände, Fliegen in den Augen, abgerissene Kleidung – aber ein Strahlen in den Augen und ein großes Lächeln in den meisten der kleinen Gesichtern. Aber auch ein Mädchen, was traurig schaut. Sie erzählt Julius, dass sie verheiratet wird. Der Brautpreis ist bereits bezahlt. Sie ist 6 Jahre alt (!) und es bricht mir das Herz, wenn ich mir überlege, was für ein Leben sie führen wird. Verheiratet sein heißt hier, dass die Mädchen dann nicht mehr in die Schule gehen dürfen. Sie werfen den Haushalt und alles, was noch so zu einer Ehe hier gehört. Mit 6 Jahren. Ich denke an Zuhause. An die kleinen Mädels und Jungs von meinen Freunden in der Heimat. Mit 6 Jahren heiraten, Tiere hüten, Haushalt führen?! Ich habe einen Kloß im Hals und halte das Mädchen an der Hand. Mit 6 Jahren sollte man noch spielen dürfen!

Dann treffen wir die Frauen, welche hier gemeinsam mit den Kindern in der Burma leben, während die Männer tagsüber unterwegs sind um (im besten Fall) einer Arbeit nach zu gehen. Manchmal auch, um Kühe und Ziegen in den nächsten Ort zu bringen und zu verkaufen (und viel zu oft auf dem Rückweg ihr verdientes Geld in Bier und Cognac investieren).

Mit den Frauen lebt Joseph. Er ist vor fast 20 Jahren von einem Baum gefallen. Seitdem ist er gelähmt. Bis vor kurzem konnte er noch in einem Rollstuhl sitzen, doch nun bereitet ihm das Sitzen zu viele Schmerzen. Er liegt in Mitten des Dorfes unterm Baum und unterhält sich fast fließend auf Englisch mit mir. Er ist als Priester ausgebildet worden, damals. Es ist lange her. Physiotherapie? Irgendeine andere Unterstützung? Fehlanzeige. Dafür freut er sich wie ein kleines Kind, weil er auf meinem Smartphone Bilder anschauen kann. Er findet meine Freunde und mich im Schnee… und staunt! Und ich staune über ihn. Ich weiß nicht, ob ich nach 20 Jahren herumliegen nicht einfach aufgegeben hätte. Ich weiß nicht, ob mir immer noch ein Lächeln über die Lippen kommen würde in Anbetracht des Lebens, welches ich führe.

Tage wie dieser, werden gerade sehr viel mehr. Nicht mehr in Neema Village, sondern draußen in den Dörfern unterwegs zu sein wirft mich Tag für Tag in Leben, die so anders sind als die Unseren.

Kein sauberes oder gar kein Wasser, keine vernünftige medizinische Versorgung und Mädchen, die mit 6 Jahren bereits jemandem versprochen werden.

Ich treffe aber, wie in den letzten Tagen, auch das Massaioberhaupt Jacobo, der Werbung für Bildung macht und seine Kinder in die Schule schickt und seiner Frau Computerkurse, Nähen und ein Hühnerbusiness ermöglicht. Der seine Familienangehörigen anhält, deren Kinder ebenfalls in die Schule zu schicken. Ich komme nun schon seit über 3 Jahren von Zeit zu Zeit hierher und ich kann sehen, wie sich dieses Dorf verändert hat. Dort sind „weiße Menschen“, die das Kapital gebracht haben, doch letztendlich ist er es, der seine Leute davon überzeugt, etwas zu verändern.

Und wenn Menschen zu Hause mich bewundern, kann ich nur sagen, dass ich diese Bewunderung gar nicht verdiene. Am Ende eines Tages oder eines Wochenendes komme ich immer in ein schönes und sicheres Zuhause zurück.

Aber wach rütteln möchte ich.  Denn so ein Dorfbesuch führt mir so klar vor Augen wie verschieden unsere Welten sind. Und ich sehe, dass wir, zwar mit kleinen Minischritten, gemeinsam Veränderungen schaffen können.  Ich möchte so gerne mehr Jacobos sehen, die sich in ihren Dörfern für Frauen, Kinder, Bildung und so viel mehr einsetzen.

Ich möchte beim Besuch eines Dorfes nicht die Augen nach den kleinen Mädchen aufhalten müssen, die bereits verheiratet sind, obwohl sie dafür noch viel zu jung sind.

Nachdenkliche Grüße

Eure Mariya

 

 

 

 

 

 

mein Leben in Tansania sieht so aus:

Ich habe zwar gerade erst gebloggt, aber ich finde, die letzten Tage sind  einfach sehr erzählungswürdig 😊

Vorgreifen möchte ich, dass ich ja nun in einem Haus wohne (bis gestern ohne Mitbewohnerin, weil die noch in den USA gewesen ist). Aber innerhalb eines Innenhofes sind drei kleine Häuschen und in einem wohnt Emily, die gerade ihre Mutter zu besuch hat. In einem ich, seit gestern auch mit Jennifer und in dem dritten ein ganz bezauberndes junges Ehepaar aus den Niederlanden, Marlinda und Michael mit ihrem kleinen einige Monate alten Baby Manuel.

Mit uns wohnt quasi auch Baraka, unser Aufpasser, Gärtner, Autowäscher, Schweres Gepäckträger und so viel mehr. Ganz bezaubernd, oft im Bayern-München-Trikot und leider versteht er kein Wort englisch.

Los ging es mit der Waschmaschine, auf die wir uns alle so gefreut haben. In Tansania besitzt kaum einer eine Waschmaschine. Kein Wasser, kein Strom – das ist also der pure Luxus für uns.

Etwas blöd, wenn man keine Ahnung hat, wie dieser Luxus in Gang zu bringen ist.

Unsere Maschine funktioniert so: man fülle Wäsche ein und drehe den Wasserhahn auf bis ausreichend Wasser in der Trommel ist. Waschpulver dazu, Deckel zu und Timer anstellen. Dann läuft sie. Nach 15 Minuten ist sie das erste Mal fertig. Man stelle an einem anderen Schalter das Programm auf Wasser entziehen. Dann wird Wasser entzogen bis die Maschine leer ist.  Dann Hebel wieder umstellen, Wasser einlaufen lassen und einmal ohne Waschmittel laufen lassen. Wasser abpumpen.

Wäsche in eine zweite kleine Trommel einfüllen. Timer für den Spinner einstellen. Der schleudert dann. Leider ist diese Trommel kleiner als die Waschtrommel, man braucht also mindestens 2-3 Schleudergänge bis man alle Wäsche durchhat.

Und ja. Das klingt vielleicht für den ein oder anderen gar nicht so wahnsinnig schwierig, doch bis wir das raushatten, hat es Waschmaschinen voll Wasser, aus denen wir die Wäsche rausgenommen und mit Hand ausgewrungen haben gegeben, weil wir weder das abpumpen noch den Schleudergang von alleine gefunden haben.

Nächster Spaß: ich liege auf dem Sofa und höre Wasser. Große Mengen an Wasser und  auf einmal läuft der riesige Wassertank auf unserem Dach über und es plätschert überall wie verrückt. Ich springe aufgeregt raus, ums Haus, finde Baraka und zerre ihn dorthin. Er lacht nur und dreht den Hahn zu (Wie Clever!!! ) und damit ist die Sache erledigt. Meine Nachbarn lachen. Das komme hier öfters vor, dass beim Bewässern der Pflanzen der Hahn einfach offen bleibt. Macht nichts. Okay, denke ich mir – entspannt sein kann ich.

So bin ich also entspannt vor zwei Tagen als ich, dieses mal kurz vor Sonnenuntergang, mal wieder auf der Couch liege und mir denke, ich höre doch Wasser. Aber jetzt weiß ich ja, dass das okay ist, also bleibe ich erstmal liegen. Dann überlege ich mir irgendwann, dass das Wassergeräusch aber deutlich näher klingt als „normal“ und da stehe ich also doch mal auf, um zu schauen und sehe um die Ecke schon unsere kleine Toilette unter Wasser stehen. Irgendwie ist da ein Hahn aufgegangen und das Wasser schießt da raus. So schnell habt ihr mich noch nicht gesehen, wie ich versucht habe, diesen Hahn abzustellen. Aber der Hahn war kein Hahn mehr. Irgendwas ist weggebrochen und das Wasser ist sturzbachartig herraus geschossen. Mittlerweile stand ich gut mit den Knöcheln im Wasser und wusste: hier brauche ich Hilfe. Also rausgerannt, wieder mal nach Baraka und Cindy geschrien. Der arme Baraka war glücklicherweise nicht weit, aber auch nicht der schnellste beim Rettungsantritt. Wild gestikulierend, auf Englisch, was er nicht versteht. Das Wort Wasser kann ich jetzt aber auch auf Suhali sagen. Also springt er rein. Kann den Hahn auch nicht schließen, rennt ums Haus, um die Leitung von außen zu schließen. Ich stehe mittlerweile gut Wadentief im Wasser und kann es nicht fassen.

Hierzu muss ich sagen, Strom hatten wir an dem Tag auch nicht! Cindy kam zur Hilfe und so haben wir im Dämmerlicht und später im Dunkeln zu dritt mit Handy- und Taschenlampe erleuchtet mit einem Wischmopp und Handtüchern das aufgewischt. Ich habe gedacht, das schaffen wir nie. Aber wohin hätte das Wasser sonst irgendwie hin sollen ohne Abfluss. Es stand da ja und hat sich schon Richtung Schlafzimmer aufgemacht. Wir haben 4 große Eimer voll Wasser weggebracht. Wovon ein Eimer von Cindy und mir und 3 Eimer von Baraka gefüllt wurden. Definitiv hatte er mehr Erfahrung und Kraft in den Händen, um die Handtücher auszuwringen. Bei dem ganzen hin und her bin ich auch ordentlich hingeknallt Zwischendurch.  Barfuß im Wasser rennen: keine gute Idee. Gibt ne Menge blaue Flecken.

Ich kann Euch sagen! Das bauche ich nicht mehr.

Und ich dachte auch, dass meine Geschichte fast nicht zu toppen ist. Doch dann kommt Jennifer gestern an und macht sich am Abend in der Küche was zu Essen. Ich sitze draußen und genieße den wundervollen Sternenhimmel als es einen Riesenknall macht und die Jenny einen Schrei lässt.

Ich komme rein und was hat die arme (mehr als 24 h lang angereiste) Müde gemacht? Auf unserem Gasherd ist ein Glasdeckel. Sie hat nicht daran gedacht, dass der nicht zum drauf Kochen gemacht ist. Sie hat die Herdplatte angezündet und den Topf auf die Glasplatte gestellt und da geduldig ihre Suppe heiß gemacht bis es geknallt hat. Den Glasdeckel haben wir jetzt übrigens nicht mehr! Dafür tausende von Scherben um uns herum, die wir aufgeräumt haben.  Aber egal – hier waren in jedem Fall eine Menge Schutzengel am Start, die auf uns aufgepasst haben. Das hätte ganz anders ausgehen können.

Ihr seht – Leben in Tansania ist Leben in seiner aufregendsten Form.

Eure Mariya

 

 

 

 

 

 

So Wichtig!

Mein letzter Blog hat meine ganze Unzufriedenheit gespiegelt. Die ist bestimmt auch nicht komplett wieder weg. Da würde ich Euch heute belügen.

Doch diese Woche sind wir rausgefahren nach Monduli. Monduli ist ein kleines Städtchen, was ca. 1 Stunde Fahrt von Arusha entfernt ist. Eine Fahrt, die ich immer liebe. Raus aus der Stadt, Dornenbüsche, Akazienbäume, Massai, die in ihren bunten Schukas (Umhängen) am Straßenrand und in den Weiten unterwegs sind. Für mich das Bild, was ich immer direkt mit Tansania verbinde. Daher habe ich tief durchgeatmet und diesen Blick quasi aufgesogen.

Mit mir im Auto sind Christopher, ein ehemaliger Sozialarbeiter aus der Region, der den Kontakt zu Monduli und dessen ärmsten Familien für uns hergestellt hat, Emily und Ihre Mutter Cindy. Cindy übt fleißig ihre Kisuaheli Sprachkenntnisse (die leider besser sind als meine) an Christopher. Ich genieße den Ausblick.

In Monduli erwarten uns 4 Familien und Pastor Peter in der Kirche. Zur Klarstellung: Die Kirche hier ist ein Eisengerüst mit Planen bedeckt. Der Wind wirbelt diese Planen lustig auf und ab. In der Kirche sind Plastikstühle aufgebaut und das ist es auch schon. Es ist heiß. 35 Grad Celsius locker.. .und windig und seit Dezember quasi regenfrei und daher also auch sehr sehr staubig.

Ich freue mich riesig, diese Familien wieder zu sehen. Wir haben diese bereits im Oktober besucht. Nun geht es darum, rauszufinden, wie es Ihnen ergangen ist und wie wir weiterhelfen können.

Eine der Frauen ist  Bertha, eine Mama von 5 Kindern. Sie ist mittlerweile umgezogen. Im Herbst haben wir sie in ihrer Lehmhütte besucht, die fast schon zusammengebrochen ist. Wir haben alle gemeinsam die Miete für 3 Monate übernommen und dank Einiger unter Euch konnte ich die Miete für die nächsten 3 Monate bezahlen. (20.000 TSH Monatsmiete sind ca. 8 EUR). Nicht die Welt für uns, doch für diese Mama unbezahlbar. Sie hat keine permanente Anstellung. Sie läuft von Haus zu Haus und fragt nach Arbeit. Waschen, putzen, kochen… das sind die Dinge, die sie ab und an zu tun bekommt.

Darüber hinaus klagt sie über Atembeschwerden. Das Geld, um zum Arzt zu gehen, hat sie nicht. Wieder, dank Eurer Spenden, habe ich dem Pfarrer Geld geben können (ca. 10 EUR), um mit ihr in eine Klinik zu gehen. Dieses Geld muss am Anfang bezahlt werden, damit eine Kartei angelegt wird und eine grobe Untersuchung  gemacht wird. Dann gibt es quasi einen Behandlungsplan, den wir abwarten müssen, um zu sehen, was die nächsten Schritte sind.

So wichtig wäre eine regelmäßige Arbeit für sie. Auf Tansanias Straßen wird viel verkauft. Sie würde das auch gerne machen. Zum Beispiel Kleider oder gekochtes Essen.

Der ein oder anderen Mutter in meinem Mütterprogramm haben wir im letzten Jahr mit Kapital für ein Kleiderbusiness unter die Arme gegriffen. Das kostet ca. 150 EUR (eine Erstausstattung Kleider und Ständer und Tasche, die sie leicht tragen kann).

Ich hoffe, dass wir „mit Hand in Hand“  das finanzieren können. Denn natürlich können wir mit Lebensmitteln und Miete kurzfristig helfen, doch diese Mama möchte selbst für sich und ihre Lieben sorgen können und mit einem kleinen Business macht sie einen großen Schritt in diese Richtung.

Und wie ich neben ihr und ihrem kleinen Sohn Baraka sitze drückt sie immer wieder meine Hand und strahlt mich an. Dabei haben wir ihr nur ein bisschen unter die Arme gegriffen. Doch sie hat Hoffnung geschöpft und sieht, dass gute Dinge passieren. Kleine oder Größere. Das wird man sehen!

Wir verbringen den Rest des Nachmittags mit Singen, Kinderbibel lesen und Erdnussbutterbrote essen und ich habe es geliebt. Dort zu sitzen, Menschen zu helfen, denen lange Zeit keiner geholfen hat. Und wenn es nur die Brote gewesen wären für alle. Die haben geschmeckt und waren für den ein oder anderen in der Runde das Einzige, was es an diesem Tag zu Essen geben würde!

Da muss ich mich doch selbst an der eigenen Nase fassen, dass ich mich dieses Mal so unangekommen fühle, nur weil Dinge noch nicht rund laufen. Dafür habe ich jeden Tag ganz viele Dinge, die hier in diesem Dorf kein Mensch hat.

Danke an diese Mamas und deren Kleinen! Danke mal wieder fürs Augen öffnen für die wesentlichen Dinge im Leben.

 

Nehmt Euch Zeit für das Wesentliche.

Liebe Grüße, Eure Mariya

 

 

 

Wieder da!

Oder doch irgendwie nicht?

Ich weiß, es ist lange her seit meinem letzten Blog. Doch jetzt, nach einer guten Woche zurück in Tansania geht es wieder los.

Ich bin wieder hier! Doch um ehrlich zu sein, fühlt es sich noch kein bisschen wie „hier“ an.

Mein neues Zuhause mitten in Arusha ist sehr schön. Doch nicht mehr vor Ort am Projekt zu sein fühlt sich sehr anders an. Neema Village regelmäßig zu besuchen und am Ende des Tages wieder weg zu fahren ist ganz anders als morgens aufwachen, frühstücken und in einer gewohnten Umgebung loszulegen.

Meine neue Hauptwirkungsstätte Jane Olevolo´s Waisenhaus ist quasi am Ende der Welt. Meinen ersten Besuch habe ich letzten Donnerstag gemacht.

IMG-20180904-WA0020

Wie dieser Tag ausgesehen hat? Aufstehen und ca. 30 Minuten in staubigen Holperpisten laufen, um zu meinem Treffpunkt mit dem Fahrer und Christopher zu gelangen. Christopher ist ein ehemaliger Sozialarbeiter, der sich nach wie vor sehr stark in seiner Community engagiert und uns überhaupt zu Jane gebracht hat.

Ich laufe also bei schon fast 30 Grad zum Treffpunkt. Die Menschen hier sind mich noch nicht gewohnt. Hier ein hallo, da ein Händeschütteln, hier ein Ausweichmanöver, weil man den Mann nicht recht einschätzen kann, der ein Gespräch sucht und eine Weile mit geht. Alles noch recht außerhalb meiner Komfortzone.

Aber ich schaffe es rechtzeitig zum Treffpunkt, um dort leider warten zu müssen, weil der Fahrer sich verspätet. Wieder ein netter Tansanier, der das Gespräch sucht und nicht glauben möchte, dass ich ganz sicher nicht die Liebe seines Lebens bin und  weder Whats App, Facebook noch sonst irgendwelche Informationen von mir an ihn weitergeben möchte. Da es Mitten am Tag an einem stark frequentierten Ort war und er auch wirklich freundlich war, war ich nicht ängstlich. Aber so geht es hier oft und es ist nicht immer einfach, so eine Situation geduldig und entspannt zu meistern. Aber dieses Mal schon und mit 45 Minuten Verspätung kamen auch meine Jungs und haben mich „gerettet“. Dann sind wir eine Stunde zu Jane unterwegs. Leider ist sie ziemlich ab vom Schuss und das Auto unseres Fahrers leider für die Buckelpisten nicht gemacht. Irgendwann bleiben wir fast stecken und es dauert ziemlich lange und einen Fahrerwechsel und Hilfe ein paar netter Leute, die mit uns angeschoben haben, damit wir über einen Berg kommen. Wahnsinn.  Dann endlich bei Jane, die mich wie immer freundlich empfängt. Sie freut sich sehr, dass es mit unserer Nähschule klappt  und wir planen meine nächsten Besuche. Soweit also alles gut. Aber noch keine Routine. Und der Weg zurück ist ähnlich anstrengend wie hin. Ohne ein eigenes Auto merke ich, wie alles sehr viel länger dauert, weniger Flexibilität bzw. fast gar keine vorherrscht und mein ganzes Organisationstalent notwendig ist, um Dinge zu erledigen. Vieles, wo ich früher einfach ins Auto gestiegen wäre (selbst) muss hier von langer Hand geplant werden. Na ja. Ich jammere hier nur ein bisschen.  Aber um ehrlich sein. Angekommen bin ich noch nicht. Hadere noch mit meinen neuen Aufgaben.

Aber es wird schon werden 😊 Jane´s Waisenhaus und mein neues Näh-und Ladenprojekt hat jeden Schweißtropfen (körperlich und mental) verdient, den ich hier vergieße!

 

Also drückt mir die Daumen, dass wieder zurück sich ganz bald auch wieder „Zuhause“ anfühlt.

 

Eure Mariya in Tansania