Asante sana – herzlichen Dank!

…und schwupp die wupp ist schon wieder ein Jahr vorbei und vor lauter Arbeiten, Päckchen für Tansania erhalten und andere selber verschicken hab ich fast versäumt, Euch noch ein dickes Dankeschön auf den Weg ins neue Jahr zu zu senden.

Corona-Nachrichten beherrschen die Gespräche/Medien in Europa. In Tansania herrscht der „normale“ Alltagswahnsinn und ich sage Danke! Danke, dass Ihr trotz Corona-Sorgen mein Herzensprojekt nicht vergessen habt. Die ein oder andere (Überraschungs-) Spende hat mich (oder mein Konto) in diesem Jahr wieder erreichen dürfen. Mädels haben bei Sauwetter einen Flohmarkt gemacht, um den Erlös meinen Herzensprojekten zukommen zu lassen.

„Mach was vernünftiges damit! „Und ich transferiere auch aus der Ferne jede Woche u.a. Deborahs Essens-/Taschengeld und ihre Miete. Und mein Koffer ist voll mit “ Eurem Geschenke-Saatgut“ und anderen Kleinigkeiten, die den Alltag von den Mädels im Nähprojekt erleichtern sollen. Ein altes („quasi“) neues Smartphone ist mit im Gepäck und Spielsachen für die Kids. Leider sind meine Kapazitäten unterwegs sehr stark eingegrenzt. Aber Eure Geldspenden werden vor Ort in „Lebenswichtiges“ umgewandelt. Das verspreche ich Euch.

Von Herzen „Dankeschön“. Danke. Dass Ihr mich und vorallem „meine“ Mädels/Kinder/Mamas in Tansania nicht vergesst. Danke schön, dass ich auch im kommenden Jahr in Tansania vor Ort Dinge bewegen darf. Vermeintlich kleine Dinge für uns – die da aber so eine große Wirkung haben.

Rutscht gut und gesund ins neue Jahr! Und wenn Ihr Euch doch mal vor Ort davon überzeugen möchtet, was ich so treibe, dann haben wir mit dem Najalihouse ein wunderbares „Zuhause“ auf Zeit für Euch.

Karibu sana. Herzlich Willkommen!

Herzliche Grüße (mit halb gepackten Koffern :-))

Eure Mariya

Happiness….

Happiness is not happy…?

Eigentlich schreit ein Name wie Happiness danach, dass Glück im Leben der Namensträgerin quasi gar nicht anders kann, als einfach da zu sein.

Doch diese Tage leider nicht.

Happiness ist eine Schülerin der „neuen“ Nähschule in Tengeru. Sie hat sich im Sommer bei uns vorgestellt. Ihr Gemeindepfarrer, Father Peter, hat uns in Kontakt gebracht mit bedürftigen, armen Mamas oder jungen Frauen, damit wir auch die richtigen Schülerinnen für das Projekt finden.

Happiness war auch dabei. Eine junge, süße lustige quirlige Frau, die mit ihrem Mann auf  dem Gelände der Kirche wohnt und da, wo es Arbeit gibt mithelfen. Einen festen Job haben sie leider beide nicht.

Unsere Freundin Jovitha ist ja vor Ort und besucht gerade fast immer den Unterricht, um sicherzustellen, dass auch alle fleißig sind. Und schickt uns ein paar Bilder! Und irgendwann schickt sie Happiness ´Bild mit dem Satz Happiness was not Happy today…

Und wisst Ihr wa? Jovitha´ s Info und die Begründung lässt mich nicht mehr los. Denn Happiness hatte einfach Hunger. Weil sie und ihr Mann keine Arbeit haben, gibt es öfters Tage, an denen sie nichts Essen oder nur eine Mahlzeit am Tag. Hm…. Ich sitze gerade mit Weihnachtsplätzchen und Tee an meinem Tisch. Und ich hatte definitiv mehr als genug Mahlzeiten heute. Und gestern..und vorgestern. Und obwohl ich so viel selbst vor Ort bin und weiß, dass das bei sehr vielen genau so ist, wie bei unserer Happiness packt es mich bei jedem dieser Erlebnisse von neuem.  Oh. Sie hat Hunger.  Klar …und wahrscheinlich fast alle der Schülerinnen auch irgendwie immer wieder mal. Wie konnte ich da nicht vorher darüber nachdenken?

Annett hat auch direkt reagiert mit einem Sack Reis für unsere „Mädels“. Und die Schülerinnen nehmen jetzt nicht nur am Nähunterricht teil, sondern werden auch in Gartenanbau unterrichtet. Es gibt ein Stück Land der Missionairies, welches wir quasi nutzen dürfen zum Unterrichten/anbauen. Das ist großartig! Und ich bete, dass wir noch mehr Mädels und deren Familien satt machen können. Und ausbilden – damit sie sich selbst helfen können.

Denn Happiness steht für mich so sehr für die wunderbaren Menschen hier in Tansania. Die so viel Fröhlichkeit und Energie versprühen – obwohl sie im Wahrsten Sinne des Wortes nicht wissen, was sie morgen zum Essen auf dem Tisch haben werden.

Nachdenkliche Adventsgrüße an Euch –

Eure Mariya

Deborah

Endlich Zeit für einen Post…

Den ich – im Moment in Deutschland – aus der Ferne mit Wehmut und ein bisschen stolz poste -über Deborah.

Deborah ist eine der „Mädels“, die in Janes Waisenhaus fleißig an unserem Nähunterricht teilgenommen hat. Seit fast 2 Jahren hatte sie die Schule beendet und hat einfach bei Jane gelebt, Nähen gelernt, sich um die Kinder gekümmert, gewaschen, geputzt und es gab nicht wirklich eine Perspektive für sie. Kein Plan, wie es weitergehen könnte. Dank Annett´s Vereinsnetzwerk haben sich „Coaches for Africa“ bereit erklärt unter anderem Deborah zu coachen. Herauszuarbeiten, was ihre Träume – wo ihre Stärken liegen. Und auch hier hat sich ihre Liebe zu Stoffen und Farben und der Näherei als Ihre Leidenschaft weiter herauskristallisiert.

So oft haben wir miteinander gesprochen, dass Sie zu Ihrem 18. Geburtstag (der im März gewesen ist) gerne ausziehen möchte aus dem Heim. Aber wohin? Und was soll sie tun? Und wie kann man das finanzieren? Und weiter schneidern lernen muss sie einfach auch noch. Es war alles nicht so einfach. Im Waisenhaus hat sie Kost und Logis frei. Klar. Aber sonst halt nichts. Nicht mal ein Taschengeld, um sich und ihrem Bruder Benedikt, der ebenfalls im Waisenhaus lebt, irgendwas zu kaufen. Ihr Bruder ist an einer besonderen Form von Rheuma erkrankt. Manchmal sind seine Schmerzen so schlimm, dass er von der Schule im Dorf nicht nach Haus laufen kann. Deborah konnte nicht mal einen Fahrer bezahlen, damit er ihn abholen kann. Außer sie hat für uns genäht und dadurch ein bisschen Geld verdient. Das hat sie dann für ihn genutzt. Verrückt, oder?

Und dann haben Semu und ich Deborah bei Ihrer Uroma besucht und mein Herz wusste auf einmal, was zu tun ist. Die Uroma ist eine Massai, die in einem Dorf ganz nah bei Arusha wohnt. Erst fahren wir mit unserem kleinen Auto auf und ab die Buckelpisten, bis die Straße so eng wird, dass ich mich nicht weiter traue. Dann steigen wir aus und schließen das Auto ab und lassen Deborahs Cousine zum Aufpassen da, da auf einmal ungefähr 20 Kinder um das Auto herumspringen. Ich muss lachen. Das ist so typisch für Tansania. Nirgendwo irgendetwas und dann kommen die Kinder quasi aus allen Winkeln hervorgeprescht. Lachend, Singend und tanzend. Dann laufen wir noch fast eine Stunde auf und ab und auf und ab mal mit weniger Staub in der Lunge mal mit mehr. Aber es ist wunderschön hier. Bananenstauden, kleine Farmen, Ziegen und Kühe. Und dann kommen wir in dem Dorf von Deborahs Uroma an. Eine kleine Frau, die mir nur bis zur Brust reicht (und ihr wisst, wie klein das ist). Mit riesigen Ohrringen und Perlenschmuck und ein bezauberndes Lächeln – ohne Zähne. Und schon sitzen wir in der Hütte, Tante und Neffen kommen noch dazu. Alle sind aufgeregt, dass wir sie besuchen. Und wir sind aufgeregt, weil wir fragen wollen, ob wir Deborah unterstützen dürfen.  Und wir dürfen!

Denn dank der Hilfe einer ganz lieben Freundin bin ich in der Lage, Deborah eine Starthilfe zu geben. Wir haben ihr geholfen in der Nähe der neuen Nähschule in Tengeru ein Zimmer zu finden. Miete für das Zimmer für ein Jahr, Bett, Matratze, Kocher und was man noch sonst so braucht. Und Taschengeld für ein Jahr. Und sie nimmt bereits am Unterricht teil. Zu Weihnachten bekommt sie noch eine eigene Nähmaschine und dann hat sie eine Basis, um sich ein Leben aufzubauen.

Sie ist wirklich ein fleißiges Bienchen. Bevor ich nach Deutschland geflogen bin, ist sie 3 mal die Woche zu mir ins Najalihouse gekommen und hat genäht. Kissenbezüge, Taschen und noch mehr Taschen. Es war wirklich toll, sie quasi direkt vor meiner Nase zu haben und zu sehen, wie gut sie sich macht. Ein gutes Gefühl in oft verrückten Zeiten.

Ganz viele gute Gefühle auch für Euch!

Bis bald – Eure Mariya

World Clean Up Day 2021 – auch in Ngaramtoni, Arusha

Der World Cleanup Day, Deutsch: Weltaufräumtag, ist ein weltweiter Aktionstag im Rahmen sozialen Handelns, bei dem die Umwelt von Müll befreit werden soll. Der Weltaufräumtag hat seinen Anfang lt. Wikipedia 1989 in Australien gemacht.

Nach Angaben der Intiatioren Let´s Do World nehmen mittlerweile mehr als 20 Millionen Menschen in 180 Staaten teil. In diesem Jahr dank meiner Freunde Semu und Innocent und deren Verein Uphold Tanzania auch in Ngaramtoni, Arusha. Und wer mal hier gewesen ist weiß, dass da eine ganze Menge zum Aufräumen ist. Vielen der Menschen hier fehlt das Verständnis zum Thema Umweltschutz. Der Müll wird hier ganz oft (direkt vor meiner Tür auch) einfach verbrannt. Die Plastikflasche, wenn leer , wird während dem Autofahren aus dem Fenster geworfen. Was das mit der Umwelt tut ist bei den meisten Menschen nicht in den Köpfen. Welche Auswirkungen ihr Handeln auf die Natur hat ist ihnen nicht klar.

Und daher fande ich es klasse, dass „die Jungs“ mitgeholfen haben, diesen Tag in Ngaramtoni mitzuorganisieren. Sie haben sich definitiv „dreckig“ gemacht 😊 und auch noch Flyer mit einfachen Bildern und Texten an die Anwohner Ihres Dorfes verteilt und natürlich persönlich aufzuklären, warum das wichtig ist, was sie tun – http://upholdtanzania.or.tz/world-cleanup-day-2021

Auf viele Hände überall auf der Welt, die mithelfen unser Zuhause zu bewahren.

Liebe Grüße aus Arusha

Eure Mariya

„Nähschule“ abgeschraubt :-(

… was für Tage diese Tage. Nicht immer läuft es rund – ein Auf und Ab der Gefühle ist das oft.

Gestern war es so weit, dass ich schweren Herzens ein Schild abgeschraubt habe. Das Nähschulen-Schild von Janes Waisenhaus.

Leider wurde diese Nähschule schon länger nicht so genutzt, wie wir es uns so sehr gewünscht haben. Ich möchte gar nicht ins Detail gehen, wieso/weshalb… doch es ist sehr frustrierend für mich gewesen, da diese Nähschule auch von meinen Freunden und Bekannten mitgetragen wird und da möchte ich es doch besonders gut machen. Und davon waren wir eine ganze Weile schon entfernt. Dann haben wir etwas verändert. Dann ging es wieder aufwärts… und dann leider in den letzten Monaten gar nichts mehr ☹ …

Eine liebe Freundin sagte dazu in etwa: Der Mensch macht Pläne und der liebe Gott entscheidet. Manchmal klappt was nicht – dann verändert man was und auf einmal geht’s wieder aufwärts.

So, hoffe ich, machen wir das jetzt auch. Annett hatte eh schon Pläne, die Nähschulen zusammenzuführen, um eine bessere Steuerung der einzelnen Klassen zu haben und auch mehr Mamas  damit erreichen zu können. Daher gehen nun die Nähmaschinen von Jane nach Tengeru. Wir haben auch angeboten, die Mädels von Jane alle weiter mitzuunterrichten. Ob das klappt, steht leider noch in den Sternen. Jane ist definitiv nicht happy mit uns, dass wir tun, was wir tun.  Das abgeschraubte Schild steht sinnbildlich für ihre und meine Gefühlslage.

Doch es wird schon weitergehen. Und es stehen schon ganz viele in Tengeru in den Startlöchern, um loszulegen.

Zwei Lehrerinnen haben wir auch schon „getestet“.  Da wird das Schild hoffentlich bald wieder in den neuen Räumlichkeiten angeschraubt. Und ganz viele Mamas werden an den Nähmaschinen sitzen und lernen.

Liebe Grüße aus Arusha

Eure Mariya

Stipvisite mit Langzeitglück

Die Bishop Mazzoldi Schule

Es gibt Orte und Projekte, an denen irgendwie so ein Glücksstern dranhängt. Besondere Menschen die mit schönen Überraschungen auf uns warten.

Die Bishop Mazzoldi Schule ist mit Sicherheit so ein Ort.

Annett, Semu und ich fahren raus. Ca. 300 km – für die man 5 Stunden braucht. Daher geht’s auch (für meine Verhältnisse) früh los. 6.30 hole ich den Semu ab und dann eine Stunde später Annett. Und dann geht’s los. Ich finde, die Fahrt hat immer einen Schulausflug-Charakter. Wir haben Chips und Cola an Bord (wer braucht schon was gesundes 😊). Auf dem Weg organisieren wir uns einen wunderbaren Kaffee im Becher (To Go hat es bis nach Tansania geschafft!). Unsere Fahrt zur Schule in der Nähe von Babati führt durch Landschaft, die vor allem durch die Massai geprägt ist. In Ihren bunten Schukas sieht man sie überall im Staub und Sand heraus leuchten. Kühe und Ziegen hüten oder einfach am Straßenrand stehen und gehen. Schuka – Stock und manchmal noch die Machete an der Seite festgemacht. Man kommt an den Dörfern vorbei. Kreisrunde Stachelige Umzäunungen, innerhalb derer sich ihre Hütten, Tiere und die ganze Familie verbirgt.

Kaffee To Go und die Massai quasi parallel zu erleben ist wirklich der Wahnsinn. Ich fühle mich oft, wie in einer Zeitkapsel, die zwischen der Vergangenheit und heute springt. Nur ist die Vergangenheit hier heute. Bis heute Leben viele der Stämme in Tansania genauso, wie sie es wahrscheinlich schon immer gemacht haben oder sie sitzen in der selben Kapsel wie ich. Mit dem Stock führen sie die Kühe übers Feld und um den Hals hängt das Smartphone in der Perlenschmuck hülle.

So geht die Fahrt.Bis kurz vorm Ziel Annett tatsächlich von der Polizei aus dem Verkehr gezogen wird. Mist. Zu schnell. Wir streiten zwar mit dem Polizisten und seinem Kameramann – aber keine Chance. Den Strafzettel bekommen wir und noch auf dem Weg aufs Gelände der Bishop Mazzoldi Schule müssen wir über die unfairen Methoden der Polizei diskutieren.

Dann empfängt Father Crisogon uns. Annett nennt ihn liebevoll Fater Chap Chap (der schnelle Father). Und so schnell lässt er auch die Glückskorken knallen. Was wollt ihr als Erstes sehen?. Den Laden wo die Mütter jetzt nähen. Ok. Und 5 Minuten später stehen wir vor dem Laden. In dem Laden, in dem nicht nur die Mütter sind (sondern auch deren Babys auf den Rücken geschnallt) und Stoffe und eine Nähmaschine und Taschen und Babykleider und und und….  Wir haben noch unterwegs überlegt, wann und wie der perfekte Zeitpunkte wäre durch zu starten. Na ja… .Father Chap Chap hat es einfach getan. So eine wunderbare Überraschung. Wirklich. Das ist eines unserer jüngeren Nähprojekt. Hier lernen Mamas, deren Kinder in die Bishop Mazzoldi Schule gehen. Die Mütter sind jedoch nicht in der Lage, das Schulgeld zu bezahlen. Nun lernen Sie nähen. In erster Linie werden sie die Schuluniformen nähen. Die Mazzoldi Schule hat ca. 200 Schüler (Tendenz steigend). Die tragen Schuluniform, die die Eltern bisher gekauft haben, um die Kinder einzukleiden. Nun kann das die Schule (gegen kleineres Geld) anbieten. Ein schöner Kreis schließt sich.

Jetzt gilt es noch eine Strickmaschine zu kaufen – und dann werden sie auch die Pullover zur Uniform mit anfertigen können.

Chap Chap machen wir Bilder und verabschieden uns und gehen noch in die Schule. Das ist immer so süß. Da stellen sich die Kids den Klassen entsprechend auf und singen und sagen hallo und heißen uns willkommen. Wir sagen auch immer was.  Sehr berührend.

Insbesondere, da hier auch immer wieder zu sehen ist, dass es in guten Schritten nach vorne geht. Mehr Schüler, Mehr Equipment, Mehr Tische, so dass die Kinder ihre eigenen Pulte haben, seit kurzem Strom und Fahrzeuge, die die Schüler aus den sehr weit entfernten Gegenden abholen und wieder zurückbringen. Mehr Anwesenheitstage der Kinder hat auch deren Leistungen verbessert. Bei den Fahrzeugen gehört eines der Kirche und das andere… .na ja, hat uns jemand zur Verfügung gestellt. Father Chap Chap steckt da ganz viel Energie und Kraft in seine Schule – das kam sicher alles nicht einfach so.

Dann bekommen wir noch etwas zu Essen, bevor wir wieder nach Hause fahren. Wir wären ja auch mit den Chips aus dem Auto glücklich, aber hier ist es einfach ein Teil der Kultur, Dich zum Essen einzuladen. Manchmal lecker, manchmal nich. Aber wir möchten auch niemanden enttäuschen und ohne abschwirren. Also lassen wir uns Reis und Gemüse und Obst und irgendeine komische Fisch Sauce schmecken und einen Segensspruch später sind wir wieder auf der Straße. Zurück nach Hause. Wo wir in der Tat unterwegs nochmals rausgezogen werden und die Polizei uns quasi das Blitzerfoto vom Morgen nochmals als Strafe verkaufen wollte. Wahnsinn. Doch am Ende einfach ein guter Tag. So viele tolle Eindrücke, welche die Auf und Abs in den anderen Projekten verblassen lassen.

Father Chap Chap und die bezaubernden Familien & Kinder wirken noch ganz lange im Herzen nach.

Herzliche Grüße aus Arusha

Eure Mariya

Najalihouse…

Ein Traum wird war – einer von den „Eigenen“.

Jeder, der öfters mit mir im Gespräch ist, weiß, dass meine Liebe zu Tansania und seine wunderbaren Menschen nicht weniger wird. Und dass ich mich nach wie vor sehr oft kneife, um zu testen, ob das wirklich alles so mein Leben ist, wie es nun mal ist. Und ich bin dankbar für das Schicksal, Herrn Google und alle anderen Mächte, die mich hier her geschickt haben. Und ich sage immer wieder, dass das so ein riesen Glück gewesen ist, vor ca. 7 Jahren für ein paar Wochen als Volunteer nach Tansania gekommen zu sein. Es hat mein Leben auf den Kopf gestellt.

Und nun ist es soweit. Semu und ich haben unser Najalihouse für Euch geöffnet. Und da nun auch in der Corona-Pandemie etwas Normalität eintritt freuen wir uns, ab August diesen Jahres Gäste aufzunehmen. Eigentlich kann ich es fast nicht glauben, dass wir das wirklich tun. Aber gerade ich bin die, die sagt, jeder sollte ein Mal in seinem Leben Gelegenheit haben so etwas zu erleben.

Najali ist kiswahili und bedeutet sich kümmern. Und Semu und ich kümmern uns. Unser Herz schlägt für die schwächeren Glieder in der Gesellschaft Tansanias. Waisenkinder, Kinder in Not und alleinerziehende Mamas mit ihren Familien. Im Najalihouse könnt Ihr eintauchen in das Leben hier und mitwirken, die Lebensumstände der Menschen zu verbessern. Ihr helft dabei, Leben zu verändern und werdet höchstwahrscheinlich Eures verändern.

Schaut auf unsere Webseite – und macht Werbung für uns oder noch besser: kommt selber! 🙂

http://www.najalihouse.com

Karibu Sana Tanzania.

Semu & Mariya

Deborah und Jackson

Ein Blog aus der Heimat….

Zunächst ein herzliches Dankeschön nach Tettnang für die Spende für Mama Alphas Hasen-/Hühnerstall. Hier meine Geldübergabe. Da folgen bestimmt „bald“ Bilder der neuen Tiere.

Heute möchte ich von einem meiner letzten Besuche in Janes Waisenhaus erzählen.

Von Deborah und Jackson.

Ich habe noch viel Zeit in Janes Waisenhaus und der Nähschule verbracht. Das sind einfach ganz bezaubernde Kinder und junge Erwachsene.

Aktuell sind zwei der Großen in einem Coaching. Deborah ist 18 und Jackson 19 Jahre alt. Beide haben sie die Schule schon vor einer Weile beendet. Doch leider gibt es noch keine Perspektive für sie, um dem Waisenhaus entwachsen zu können. Sie beide sind in unserer kleinen Nähschule. Es ist immer ein Bild für Götter, wenn der lange Jackson in mitten der Mädels sitzt und näht. Tischsets, Taschen, Vorhänge und Girls-Sanitary-Pads.

Annett Michalski hat das mit dem Coaching in die Wege geleitet. Deborah und Jackson sind quasi die Testhasen für einen Verein, der jungen Erwachsenen kostenlos Trainings zur Verfügung stellen wird um ihnen zu helfen, ihre Träume und Stärken heraus zu arbeiten und auch Wege, wie sie diese erfüllen können.

Was bei uns fast „normal“ ist ist in Tansania ein Novum. Insbesondere für diese Kinder in dem Waisenhaus. Zunächst mussten wir die technischen Herausforderungen wuppen.

Hier hat nicht jedes Kind Whats App und Internet. Das erste Zoom Meeting fand mit meinem Laptop statt – da wo das Netzwerk am Besten gewesen ist (draußen auf der Veranda). Das Zoom Meeting war bald ein Waisenhaus-Sammelmeeting, da jeder doch so gerne hören und sehen wollte, mit wem die beiden da sprechen. Nicht sehr effektiv – aber ok 😊

Das können wir jetzt schon besser. Und es ist schön zu sehen, dass die beiden sich Gedanken machen müssen über ihr Leben. Über Ihre Stärken. Bei der Frage, wie andere sie sehen sind sie erstmal bei ihren Mitbewohnern vorbeispaziert, um sich Feedback zu holen. Da passiert gerade eine Menge mit diesen beiden Kids! Es ist schön, dass sich jemand Zeit für sie nimmt. Sie wertschätzt. Und ich hoffe sehr, dass sich etwas auftun wird, damit die Beiden bald einen nächsten Schritt in Ihrem Leben gehen können. Deborah ist in der Nähschule genau richtig – hier wäre eine eigene Nähmaschine und irgendwann ein Miniladen ihr Traum.

Bei Jackson kristallisiert sich immer mehr heraus, dass er gerne noch die Schulbank drücken möchte bzw. gibt es hier College´s, in denen er 2 Jahre lang handwerklich ausgebildet wird. Je nach Interesse kann das Schreinern, Elektrik oder was anderes sein. Wenn es sich im Coaching nicht noch ändert, möchte Jackson gerne als Automechaniker ausgebildet werden.

Ich drücke Beiden die Daumen, dass ihr Fleiß und Ihre Geduld belohnt wird und sich bald was auftut.

Herzliche Grüße aus der Quarantäne!

Eure Mariya

Jammern auf hohem Niveau? – Mama Alpha

Ihr Lieben, wie geht es Euch in den immer noch verrückten Corona-Zeiten?

In 2 Wochen geht mein Flug zurück nach Deutschland – in der Hoffnung, dass ich dort auch arbeiten kann in den nächsten 3 Monaten. Verrückte Lockdowns und verwirrende Regelungen machen es spannend. Ich bin zutiefst dankbar für die Zeit hier, die ich frei leben und gestalten konnte.

Und komme eventuell wieder in einem Lockdown zurück nach Deutschland. Vor 2 Wochen wurde Tansania auch noch als Hochrisikogebiet eingestuft von der deutschen Regierung. Heißt Test vor Abflug, Test bei Ankunft und 10 Tage Quarantäne. Aber wegen dem würde ich jetzt wirklich auf sehr hohem Niveau jammern. Aber es hält mich hier jetzt schon auf Trab. In Tansania einen Corona Test zu bekommen, der bei Einreise in Deutschland nicht älter als 48h ist scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Doch ein Freund, der bei Tansania Specialist arbeitet, ist für unsere Gäste der „ Head“ of Covid und ist so bezaubernd, mir zu helfen und alles zu organisieren. „Dont worry Mariya“. Ok. Das kann ich machen.

Warum schreibe ich jammern auf hohem Niveau. Ich zitiere eine Freundin von mir, die das gestern in den Raum geworfen hat. Und was in den letzten Wochen oft Worte von Euch gewesen sind, wenn wir telefoniert/gemailt haben. Jeder ist etwas unter Strom, die Situation erfordert eine Menge Nervenstärke. Doch ist Euch auch bewusst, dass es „uns“ doch eingentlich gut geht. Marie gestern hat gemeint: es sollte jeder in seinem Leben mal für ein paar Tage nach Tansania kommen! Dann wüsste er/sie schon.

Ja und ja und ja. Kommt alle, dann wenn die Lage so ist, dass ihr das mit einem guten Gefühl tun könnt, seid ihr immer herzlich Willkommen.  Es ist in der Tat ein Erlebnis und insbesondere in meinem Leben hat es viele Dinge relativiert.

Letzte Woche zum Beispiel haben wir Mama Alpha besucht. Mama Alpha gehört zu den Mamas in Monduli, die wir mit dem hearts for families programm unterstützen. Mama  Alpha gehört zu den Mamas, die uns unheimlich stolz machen. Mit Nähen hat sie angefangen und mit 2 Hühnern. 2 Jahre später waren es 10 Hühner und eine kleine Hasenfarm. Sie hat selbst herausgefunden, wo man umsonst Englisch- und Computerstunden nehmen kann. Wir unterstützen sie bei den Fahrtkosten zur Schule. Immer hat sie eine Überraschung für uns parat. Da geht einem das Herz auf. Sie hat die hübschesten 3 Jungs, die man sich vorstellen kann. Es gibt einen Mann – aber der ist quasi nie da. Daher wuppt sie die Familie. Das Leben.

Leider hat es gebrannt letzte Woche. Der Hühner/Hasenstall ist hat Feuer gefangen und ist komplett abgebrannt. Neben dem Stall ist ihre Kochfeuerstelle gewesen. Sie kocht mit Holz. Es muss wohl irgendwie noch nachgeglüht haben und hat Feuer gefangen als sie nicht zuhause war. Alles weg. Die Hühner. Die Hasen. Schlimm. Als ich dort war und die verkokelten Reste gesehen hat… so schlimm. Die süße Maus war nur froh, dass das Wohnhaus (in dem ihre Kinder mit der Oma gewesen sind) nicht Feuer gefangen haben. „Nicht so schlimm, Mariya. Dann fang ich halt nochmal von vorne an.“

Und das ist wohl bezeichnend für viele der Menschen hier in Tansania. Sie sind sehr pragmatisch in Ihrer Lebenssituation.

„Nicht so schlimm. Dann machen wir es einfach nochmal… mach Dir keine Sorgen Mariya“

Wenn ein Hühnerstall abbrennt, wenn Mama Eliasi zum hundertsten Mal irgendeinen Hautausschlag hat, den niemand vernünftig behandeln kann. Wenn Du seit über einem Jahr keinen Job hast, weil wegen Corona niemand das Land besucht. Wenn die Mädels zum Millionsten Mal meine Bestellungen richtig falsch ausgeführt haben und wenn ich im Schlamm stecken bleibe und einen wichtigen Besuch erst in der nächsten Woche machen kann. – no worries! Hakuna Matata

Hier gibt es keinen Lockdown – doch Corona prägt auch dieses Land sehr, da Tourismus ein so wichtiger Einkommensfaktor wäre. Und nun ist der Staatspräsident Magufuli gestorben am 18. März. Vielleicht an einem Herzleiden (offizielle Version) oder an Corona. Magufuli, der behauptet hat, dass Corona weggebetet worden sei und Tansania kein Problem mit Corona hätte. Mit Sicherheit ist das Problem auch nicht vergleichbar mit dem, was in Europa passiert aber trotzdem. Und nun hat man noch 3 Tage vorher quasi erzählt, dass mit ihm alles ok ist. Auch wenn er gerade nicht öffentlich zu sehen ist. Er arbeite brav und fleißig in seinem Büro. Und dann ist er tot. Staatstrauer ist angesagt und die Leute trauern (laut: weil das ist auch deren Mentalität). Doch oh ton ist schon wieder: no worries Mariya. Es wird alles gut.

Die Nachfolgerin Samia Suluhu Hassan ist die erste Präsidentin in einem südostafrikanischen Land. Ich muss etwas darüber schmunzeln und sage zu meinen Freunden hier: No worries. Es wird alles gut.

Ich glaube, eigentlich ist Tansania noch nicht bereit für eine Frau am Steuer. Aber Mama Samia ist die Vizepräsidentin gewesen und das Gesetz regelt die Nachfolge Magufulis so.

Wunderbar. Magufuli war nämlich ein Verfechter von Frau zu Hause am Herd. Nun ist seine Vizepräsidentin die neue Chefin des Landes! Ich wünsche ihr alles Gute dafür! Da könnten auch viele gute Dinge daraus entstehen.

Und daher schicke ich Euch ins Wochenende ein Hakuna Matata – no worries. Es wird alles gut.

Ich finde ja, jammern ist auch ok. Man kann nicht immer nicht jammern. Das Leben ist ein Abenteuer – und gerade mit Corona fordert es von jedem ganz unterschiedliche Dinge ab. Und manchmal ist man einfach nicht gut drauf. Viel Mut und Kraft für all die Dinge, die Euch auf Trab halten.

Hier ein paar Bilder von Mama Alpha, ihren süßen jungs und dem abgebrannten Stall.

Hakuna Matata

Herzliche Grüße aus Arusha.

Eure Mariya

Ein Glückskoffer

Höchste Zeit für einen Blog.

Ich wurde schon darauf aufmerksam gemacht, dass es so ruhig um mich herum ist.

Annett von Hand in Hand for Tanzania war gerade aus Deutschland zu Besuch. Und da ist immer viel los. Die Zettelchen und Bilder für meinen Blog landen da am Ende des Tages oft nur in einer Mappe und warten darauf, weitergetragen zu werden. Mir geht es also gut und heute gibt es die Geschichte vom Glückskoffer.

„Samaritan Orphanage“ ist ein Waisenhaus, welches von uns unterstützt wird. Vor ein paar Jahren wurde dort eine Miniklinik gebaut/Dispensary wo Annett vor ca. einem Jahr ein Ultraschallgerät spenden konnte. Es ist immer schön zu sehen, dass Menschen aus der Gemeinde Zugang zu einer vernünftigen medizinischen Versorgung haben. Nachdem Annett hier bei 2 Patienten bei der Untersuchung mit reinschauen konnte sind wir ins Waisenhaus rüber. Die älteren Schüler waren in der Schule. Die „kleinen“ Zuhause.

Es riecht etwas streng – … nach Baby, Pipi und sonst so Zeug…  die Babies spielen auf einem Teppich, der selbst schon streng riecht. Egal. Luft anhalten und durch 😊 Ein nur ein paar Monate altes Zwillingspärchen sitzt da schon und wartet auf uns. Und dann kommen die Kids, die eigentlich hätten Mittagsschlaf machen sollen auch da zu und ruck zuck haben wir eine Party.

Musik von den Nannies und glückliche klebepatsche Hände überall um uns herum. Aber es war wunderbar. Die Kinder würden sich bestimmt über mehr Aufmerksamkeit freuen. Wegen Corona kommen quasi keine Volontäre. Die Nannys machen eine wunderbare Arbeit – doch bleibt einfach nicht viel zusätzliche Zeit, um die Kinder in Ruhe zu verknuddeln. Heute machen das Annett und ich.

Und dann ist da noch dieser Kofferinhalt, den Annett von einer Freundin zuhause mitgebracht hat. In ganz viele Beutel verteilt hat sie das heute mit dabei und stellt es auf den Tisch. Hosen, Oberteile, Schuhe, Mützen, Regenjacken – der Wahnsinn. So viele tolle Sachen. Und die Kinder sind so aufgeregt und rennen sofort mit der Klamotte, die wir ihnen in die Hand drücken los zum aus/umziehen. Jacke an und wieder aus. Schuhe? Nein ? nicht schön genug? Ok! Dann andere. Und so weiter. Mützen gehen von Kopf zu Kopf. Jeans hängen auf Halbmast. Ein kleines Kind bleibt leider bis zum Ende ohne Mütze weil einfach keine passende mehr da war…brenzlig. Doch wir konnten dafür mit coolen Schuhen aufwarten und die gute Laune war gesichert.

Erstaunlich – egal wo wir sind auf dieser Welt. Diese Kids wissen schon ganz genau, was sie mögen und nicht. Es war so wunderbar, deren strahlende Gesichter zu sehen, als sie in den neuen Klamotten dastanden. Pure Freude! Ich weiß nicht, ob die Kofferpackerin in Deutschland sich darüber klar war, dass neben dem Nutzen natürlich hier noch so viele glückliche Kinderaugen für uns und sie gestrahlt haben.

Vielen Dank für den Glückskoffer!

Herzliche Grüße aus Arusha.

Eure Mariya