Jammern auf hohem Niveau? – Mama Alpha

Ihr Lieben, wie geht es Euch in den immer noch verrückten Corona-Zeiten?

In 2 Wochen geht mein Flug zurück nach Deutschland – in der Hoffnung, dass ich dort auch arbeiten kann in den nächsten 3 Monaten. Verrückte Lockdowns und verwirrende Regelungen machen es spannend. Ich bin zutiefst dankbar für die Zeit hier, die ich frei leben und gestalten konnte.

Und komme eventuell wieder in einem Lockdown zurück nach Deutschland. Vor 2 Wochen wurde Tansania auch noch als Hochrisikogebiet eingestuft von der deutschen Regierung. Heißt Test vor Abflug, Test bei Ankunft und 10 Tage Quarantäne. Aber wegen dem würde ich jetzt wirklich auf sehr hohem Niveau jammern. Aber es hält mich hier jetzt schon auf Trab. In Tansania einen Corona Test zu bekommen, der bei Einreise in Deutschland nicht älter als 48h ist scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Doch ein Freund, der bei Tansania Specialist arbeitet, ist für unsere Gäste der „ Head“ of Covid und ist so bezaubernd, mir zu helfen und alles zu organisieren. „Dont worry Mariya“. Ok. Das kann ich machen.

Warum schreibe ich jammern auf hohem Niveau. Ich zitiere eine Freundin von mir, die das gestern in den Raum geworfen hat. Und was in den letzten Wochen oft Worte von Euch gewesen sind, wenn wir telefoniert/gemailt haben. Jeder ist etwas unter Strom, die Situation erfordert eine Menge Nervenstärke. Doch ist Euch auch bewusst, dass es „uns“ doch eingentlich gut geht. Marie gestern hat gemeint: es sollte jeder in seinem Leben mal für ein paar Tage nach Tansania kommen! Dann wüsste er/sie schon.

Ja und ja und ja. Kommt alle, dann wenn die Lage so ist, dass ihr das mit einem guten Gefühl tun könnt, seid ihr immer herzlich Willkommen.  Es ist in der Tat ein Erlebnis und insbesondere in meinem Leben hat es viele Dinge relativiert.

Letzte Woche zum Beispiel haben wir Mama Alpha besucht. Mama Alpha gehört zu den Mamas in Monduli, die wir mit dem hearts for families programm unterstützen. Mama  Alpha gehört zu den Mamas, die uns unheimlich stolz machen. Mit Nähen hat sie angefangen und mit 2 Hühnern. 2 Jahre später waren es 10 Hühner und eine kleine Hasenfarm. Sie hat selbst herausgefunden, wo man umsonst Englisch- und Computerstunden nehmen kann. Wir unterstützen sie bei den Fahrtkosten zur Schule. Immer hat sie eine Überraschung für uns parat. Da geht einem das Herz auf. Sie hat die hübschesten 3 Jungs, die man sich vorstellen kann. Es gibt einen Mann – aber der ist quasi nie da. Daher wuppt sie die Familie. Das Leben.

Leider hat es gebrannt letzte Woche. Der Hühner/Hasenstall ist hat Feuer gefangen und ist komplett abgebrannt. Neben dem Stall ist ihre Kochfeuerstelle gewesen. Sie kocht mit Holz. Es muss wohl irgendwie noch nachgeglüht haben und hat Feuer gefangen als sie nicht zuhause war. Alles weg. Die Hühner. Die Hasen. Schlimm. Als ich dort war und die verkokelten Reste gesehen hat… so schlimm. Die süße Maus war nur froh, dass das Wohnhaus (in dem ihre Kinder mit der Oma gewesen sind) nicht Feuer gefangen haben. „Nicht so schlimm, Mariya. Dann fang ich halt nochmal von vorne an.“

Und das ist wohl bezeichnend für viele der Menschen hier in Tansania. Sie sind sehr pragmatisch in Ihrer Lebenssituation.

„Nicht so schlimm. Dann machen wir es einfach nochmal… mach Dir keine Sorgen Mariya“

Wenn ein Hühnerstall abbrennt, wenn Mama Eliasi zum hundertsten Mal irgendeinen Hautausschlag hat, den niemand vernünftig behandeln kann. Wenn Du seit über einem Jahr keinen Job hast, weil wegen Corona niemand das Land besucht. Wenn die Mädels zum Millionsten Mal meine Bestellungen richtig falsch ausgeführt haben und wenn ich im Schlamm stecken bleibe und einen wichtigen Besuch erst in der nächsten Woche machen kann. – no worries! Hakuna Matata

Hier gibt es keinen Lockdown – doch Corona prägt auch dieses Land sehr, da Tourismus ein so wichtiger Einkommensfaktor wäre. Und nun ist der Staatspräsident Magufuli gestorben am 18. März. Vielleicht an einem Herzleiden (offizielle Version) oder an Corona. Magufuli, der behauptet hat, dass Corona weggebetet worden sei und Tansania kein Problem mit Corona hätte. Mit Sicherheit ist das Problem auch nicht vergleichbar mit dem, was in Europa passiert aber trotzdem. Und nun hat man noch 3 Tage vorher quasi erzählt, dass mit ihm alles ok ist. Auch wenn er gerade nicht öffentlich zu sehen ist. Er arbeite brav und fleißig in seinem Büro. Und dann ist er tot. Staatstrauer ist angesagt und die Leute trauern (laut: weil das ist auch deren Mentalität). Doch oh ton ist schon wieder: no worries Mariya. Es wird alles gut.

Die Nachfolgerin Samia Suluhu Hassan ist die erste Präsidentin in einem südostafrikanischen Land. Ich muss etwas darüber schmunzeln und sage zu meinen Freunden hier: No worries. Es wird alles gut.

Ich glaube, eigentlich ist Tansania noch nicht bereit für eine Frau am Steuer. Aber Mama Samia ist die Vizepräsidentin gewesen und das Gesetz regelt die Nachfolge Magufulis so.

Wunderbar. Magufuli war nämlich ein Verfechter von Frau zu Hause am Herd. Nun ist seine Vizepräsidentin die neue Chefin des Landes! Ich wünsche ihr alles Gute dafür! Da könnten auch viele gute Dinge daraus entstehen.

Und daher schicke ich Euch ins Wochenende ein Hakuna Matata – no worries. Es wird alles gut.

Ich finde ja, jammern ist auch ok. Man kann nicht immer nicht jammern. Das Leben ist ein Abenteuer – und gerade mit Corona fordert es von jedem ganz unterschiedliche Dinge ab. Und manchmal ist man einfach nicht gut drauf. Viel Mut und Kraft für all die Dinge, die Euch auf Trab halten.

Hier ein paar Bilder von Mama Alpha, ihren süßen jungs und dem abgebrannten Stall.

Hakuna Matata

Herzliche Grüße aus Arusha.

Eure Mariya

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