Good luck Goodluck!

Jetzt bin ich schon seit über einer Woche wieder zurück in Tansania und so oft war ich schon unterwegs und habe gedacht: Ja , ja.. dazu schreibe ich gleich heute Abend einen Blog. Und dann passieren Millionen andere Dinge oder im Laufe des Tages finde ich es gar nicht mehr so erzählenswert.

Doch heute ist in jedem Fall ein Tag, der es verdient, geteilt zu werden.

Weil es ein guter Tag ist! Und weil er trotzdem so „typisch“ Tanzania ist, dass ich hoffe, es schickt gute Energie ins verschneite Europa.

Heute morgen treffe ich mich mit Jovitha um mit ihr gemeinsam in Goodlucks Schule noch schnell die letzten Dinge zu erledigen, damit er die weiterführende Schule besuchen kann. Da ich gerade noch kein Auto habe fahre ich mit dem Dala Dala zu unserem Treffpunkt. Ein kleiner Minibus der ganz oft schreiend bunt bemalt ist und ganz oft den Eindruck macht, gerade an seinem Lebensende angekommen zu sein und kurz vorm Zusammenbruch ist. Doch es ist billig – also immer voll. Wer wie wir mit Corona Abstandhalten gewohnt ist, muss hier einmal ziemlich tief durchatmen und sich erstmal an Körperkontakt gewöhnen (bzw. manchmal besser nicht durchatmen – aber kuscheln). Irgendwie mag ich es. Nicht immer – aber wenn man nur sich dabei hat und kein Gepäck, dann ist das einfach die Beste Art, Land und Leute zu erleben.

Wir fahren also zu dieser Schule.  Goodluck ist 17 Jahre alt und hat das letzte Jahr zuhause verbracht mit seiner Mama und seinen 4 Geschwistern. Wir kennen Goodluck weil seine Mama, Bertha, in Monduli in unserem hearts-for-families Programm ist. Eine alleinerziehende Mama, welche am Anfang in einer Bruchbude gehaust hat, die quasi schon in sich zusammengefallen ist. Trotzdem hat ihr liebes Lächeln mich im ersten Moment gepackt.

Bertha ist ein ganzes eigenes Kapital wert – doch heute geht’s um Goodluck. Goodluck, dessen Name in seinem Leben leider bisher kein Programm gewesen ist. Kein Vater, der sich kümmert. Eine alleinerziehende Mama, die mal mit und mal ohne Arbeit ist und kaum genug zusammenkratzen kann, um ihre Kinder gut zu versorgen. Die Primary School hat er irgendwie geschafft, aber leider ohne Empfehlung auf eine weiterführende Schule. Ein Jahr ist vergangen, wo er nicht so recht in die Puschen gekommen ist. Und dann hat Bertha immer wieder mit uns das Gespräch gesucht, was mit ihrem Jungen passieren soll.

Eine private Weiterführende Schule kann sich Bertha nicht leisten. Schule, Material, Schuluniformen – da kommt man auf eine Jahresgebühr von ca. 1.000 EUR.  Dies ist auch für einen Verein wie Hand in Hand for Tansania eine ganze Menge Geld – insbesondere nur für eine direkte Person verwendet. Doch Bildung ist so ein wichtiger Schlüssel für junge Menschen– also bin ich sehr dankbar, dass Annett´s Verein mit auch Euren Spenden das wahr machen konnte. Zumindest für das erste Jahr, denn hier muss er sich nun erstmal beweisen.

Als wir ihn am Samstag in der Schule abgeliefert haben inklusive einer Kiste mit Stiften, Blöcken, Kissen, Handtuch, Din A 4 Papier, Notizbücher, Tasse, Teller, Löffel (was wir kurz vorher noch alles eingekauft haben gemeinsam auf dem Markt) war ich schon sehr glücklich. Es war nicht ganz klar, ob wir diesen Tag wirklich erleben würden mit ihm. Die 1. und 2. Annahmeprüfung hat er nicht bestanden. Doch meine Freundin Jovitha, die selbst Lehrerin ist, war immer mit dabei und hat mit der Schulleitung gesprochen, dass wir uns sorgen machen, dass er ohne Schule auf der Straße landen wird. Er durfte ein 3. Mal den Test machen. Den hat er zwar auch nicht bestanden – aber er gehört nun in eine kleine Sondergruppe von Schülern, die ähnliche Probleme haben wie er und mit denen wird separat gearbeitet bis er nach etwa einem Jahr in die restliche Klasse eingegliedert wird.

Daher also ein besonderer Glücksmoment am Samstag.

Da das Büro nicht mehr besetzt gewesen ist, mussten wir heute nochmal los um das Geld für die Uniformen und Taschengeld abgeben. Zu spät losgefahren, einige Dinge vergessen zu besorgen, Regenfluten abwarten, im Matsch die Straße entlang um fehlendes Equipment einzukaufen, wieder zurück, im Büro anstehen, an der Schulkasse anstehen, zahlen und wieder los. Im Gästebuch haben wir uns drei Stunden nach Eintritt wieder ausgetragen.

Der Wahnsinn. Doch trotzdem gut und wichtig. Weil Goodluck uns erzählt hat, dass er froh ist, wieder in die Schule zu dürfen und nicht seinen Nachbarn in seinem Dorf aus dem Weg gehen muss, weil diese ganz oft Alkohol trinken und irgendwelches Zeug rauchen. Und dass möchte er nicht.

Auf die Frage, was er denn möchte kam: der Mama helfen und die Familie unterstützen…

Ganz viel Glück dafür – Good luck Goodluck!

All the best for you.

Herzliche Grüße aus Arusha – so schön, wieder hier zu sein.

Eure Mariya

2 Gedanken zu „Good luck Goodluck!“

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