Upendo – Liebe

Anfang dieser Woche stand der Besuch des Upendo  -Lepra-Centers in unserem Kalender.

Upendo heißt übersetzt Liebe.

Es hat etwas gedauert, bevor ich nun Worte zu Papier bringe, die meinen Gefühlen zumindest ein bisschen Ausdruck verleihen können.

Schon allein, dass man 2020 noch überhaupt ein Lepra-Center haben muss hat mich erst mal dazu bewegt, im Internet zu recherchieren. Der Kontakt ist über Prosper Lyimo (dem Bischof der katholischen Kirche für den Bezirk Arusha) entstanden. Ich hatte das Vergnügen, ihn besuchen zu dürfen, da seine Schwester eine ganz liebe Freundin von mir ist.

Er hat mir angeboten, alle Besuche von Projekten zu organisieren, welche ich gerne sehen möchte. Und eines der nähergelegenen Projekte ist das Upendo-Lepracenter in der Nähe von USA River, was so eine gute halbe Stunde Fahrt weg von Arusha liegt.

Jovitha und ich sind mit Sister Grace, der Schwester, die die Besuche für uns organisiert hat,  losgefahren und haben das Upendo Zuhause aufgesucht. Nach der typischen Huckelpisten-Anfahrt (die mittlerweile aufgrund langer Trockenzeit immer schön heiß und staubig ist) sind wir angekommen und wurden mit offenen Armen von Schwester Ritha und ihren Mitschwestern begrüßt. Wegen Corona ist Besuch gerade Mangelware – daher ist der Jubel groß, dass wir uns die Zeit nehmen, sie zu besuchen. Wir werden auch nicht wieder entlassen, bevor wir nicht Chai-Tee und ausreichend Essen zu uns genommen haben.

Lepra ist eine bakterielle Infektionskrankheit und tritt vor allem in tropischen und subtropischen Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte und niedrigem hygienischen Standard auf. Zu den besonders betroffenen Ländern gehören unter anderem Indien, Nepal, Mozambique und Tansania. Pro Jahr erkranken weltweit ca. 200.000 Menschen neu an dieser Krankheit.

Im Upendo-Center (haben wir bei unserem Besuch „ die Älteren“ getroffen. 65 Jahre und aufwärts. Insgesamt leben in Upendo 45 Menschen. 30 Lepra-Erkrankte und deren Familie (wenn diese sie nicht vorher schon verlassen hat). Bei einer Lepraerkrankung nimmt das Center gerne die ganze Familie auf – damit niemand zurückgelassen werden muss.

Doch oft ist es diese eine erkrankte Person. In Arusha gibt es einen Teil etwas außerhalb der Stadt, in dem sich quasi ein Lepra-Dorf befindet. Die Menschen wurden ausgestoßen und suchen dort gemeinsam Schutz. Leider alle auf engem Raum und ohne irgendwelche hygienischen Standards, die so wichtig wären einzuhalten. Daher gehen diese bezaubernden Schwestern regelmäßig hin und versuchen die Kranken zu überreden nach Upendo umzuziehen. Um medizinisch versorgt zu werden und ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben. Familie, Gespräche, Freundschaft.

Herzzerreißend.

Ich habe nicht viele Bilder geschossen – aber der ein oder andere Mitbewohner ohne Finger, Zehen… , die Geschichten dahinter  – das beschäftigt mich immer noch. Wir haben uns alle einander  vorgestellt und wo wir her sind und was wir hier machen. Auch die Mitbewohner haben sich über den Besuch gefreut. Etwas Abwechslung von ihrem Alltag. Aber auch eine Frau, die ganz bewusst ihre Hände vor uns versteckt hat.

Und Schwester Ritha und ihre Mitschwestern, die erzählen, dass der ein oder andere trotzdem mal abhaut und zurück in die Stadt geht um zu Betteln, um sich was Persönliches leisten zu können.

Und die Menschen haben Lepra – aber sie sind halt einfach auch nur kranke, alte Menschen. Streiten, machen alles, was sie nicht sollen und das was sie mithelfen sollten, ganz sicher nicht. Schon jetzt kann ich nur staunen, dass diese Schwestern das fröhlich erzählen und hier Tag für Tag – Jahrein/Jahraus diesem Ruf folgen. Und, als wenn es so nicht schon schwierig genug wäre sind die Bedingungen vor Ort wirklich sehr sehr arm.

Es ist sehr sauber. Es gibt Hühner und eine Farm. Die Pumpe des Wassertanks ist leider seit Monaten kaputt – daher kann hier nicht ausreichend gegossen werden.

Die Zimmer sind einfache Zimmer – die Toiletten soweit weg, dass diese armen alten Menschen das in der Nacht (ohne Licht, den Strom gibt es leider auch ganz oft nicht) gar nicht verlaufen können. Ich sehe Bettpfannen unter den Betten.

Ein Schmuckstück ist ihr Webstuhl und drei Mitbewohner, die diesen Webstuhl bedienen und zauberhafte Decken herstellen. Als ich die gesehen habe, hat es mir quasi die Sprache verschlagen. So wunderbar. Bei den nächsten Reisen hin und her muss ich da den Koffer voll machen. Wegen Corona liegen diese Decken einfach auf Lager. Normalerweise versuchen sie, diese an Hotels und Lodges zu verkaufen um Geld für Lebensmittel, Saatgut und Hühnerfutter zu haben.

In einer Ecke im Hof sitzt ein Pärchen, wo beide wohl über 80 Jahre alt sind und er füttert sie, weil sie keine Hände mehr hat. Sie haben sich hier im Upendo kennengelernt.

Ich muss darüber lächeln. Egal, was das Leben bringt. Verliebt sein, Partner und Helfer zu sein – dazu zieht es uns immer. Irgendwo dazu zu gehören. Ob wir 20 Jahre oder 80 Jahre sind. Ob wir gesund oder krank sind. Und im Upendo ist es möglich, weil die Schwestern ein Zuhause geschaffen haben für Menschen, die in Tansania  keine Chance auf ein Leben in Würde haben würden außerhalb dieses Centers.

Meine Hochachtung liebe Sister Ritha. Und ich komme definitiv zurück an diesen Ort und besuche die Mitbewohner und Schwestern und kann Ihnen hoffentlich von Zeit zu Zeit etwas Gutes tun.

In Liebe –

Eure Mariya

Ein Gedanke zu „Upendo – Liebe“

  1. Liebe Mariya,Gerade habe ich Tränen in den Augen.  Deine Erzählung ist so unfassbar für mich in einem schönen Haus in Europa.Danke, dass du uns/mich mit deinen Berichten etwas an deinem Leben teilhaben lässt.So vergesse ich nicht, dass es neben Corona auch noch was anderes (viel Wichtigeres) gibt. Das es so wunderbare Personen wie dich und diese Schwestern gibt, macht die Welt für diese Menschen etwas schöner.Ich freue mich schon, wenn ich dich wieder etwas (zumindest finanziell) unterstützen kann.Lg und bis hoffentlich bald,SandraVon meinem Samsung Galaxy Smartphone gesendet.

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