mein Leben in Tansania sieht so aus:

Ich habe zwar gerade erst gebloggt, aber ich finde, die letzten Tage sind  einfach sehr erzählungswürdig 😊

Vorgreifen möchte ich, dass ich ja nun in einem Haus wohne (bis gestern ohne Mitbewohnerin, weil die noch in den USA gewesen ist). Aber innerhalb eines Innenhofes sind drei kleine Häuschen und in einem wohnt Emily, die gerade ihre Mutter zu besuch hat. In einem ich, seit gestern auch mit Jennifer und in dem dritten ein ganz bezauberndes junges Ehepaar aus den Niederlanden, Marlinda und Michael mit ihrem kleinen einige Monate alten Baby Manuel.

Mit uns wohnt quasi auch Baraka, unser Aufpasser, Gärtner, Autowäscher, Schweres Gepäckträger und so viel mehr. Ganz bezaubernd, oft im Bayern-München-Trikot und leider versteht er kein Wort englisch.

Los ging es mit der Waschmaschine, auf die wir uns alle so gefreut haben. In Tansania besitzt kaum einer eine Waschmaschine. Kein Wasser, kein Strom – das ist also der pure Luxus für uns.

Etwas blöd, wenn man keine Ahnung hat, wie dieser Luxus in Gang zu bringen ist.

Unsere Maschine funktioniert so: man fülle Wäsche ein und drehe den Wasserhahn auf bis ausreichend Wasser in der Trommel ist. Waschpulver dazu, Deckel zu und Timer anstellen. Dann läuft sie. Nach 15 Minuten ist sie das erste Mal fertig. Man stelle an einem anderen Schalter das Programm auf Wasser entziehen. Dann wird Wasser entzogen bis die Maschine leer ist.  Dann Hebel wieder umstellen, Wasser einlaufen lassen und einmal ohne Waschmittel laufen lassen. Wasser abpumpen.

Wäsche in eine zweite kleine Trommel einfüllen. Timer für den Spinner einstellen. Der schleudert dann. Leider ist diese Trommel kleiner als die Waschtrommel, man braucht also mindestens 2-3 Schleudergänge bis man alle Wäsche durchhat.

Und ja. Das klingt vielleicht für den ein oder anderen gar nicht so wahnsinnig schwierig, doch bis wir das raushatten, hat es Waschmaschinen voll Wasser, aus denen wir die Wäsche rausgenommen und mit Hand ausgewrungen haben gegeben, weil wir weder das abpumpen noch den Schleudergang von alleine gefunden haben.

Nächster Spaß: ich liege auf dem Sofa und höre Wasser. Große Mengen an Wasser und  auf einmal läuft der riesige Wassertank auf unserem Dach über und es plätschert überall wie verrückt. Ich springe aufgeregt raus, ums Haus, finde Baraka und zerre ihn dorthin. Er lacht nur und dreht den Hahn zu (Wie Clever!!! ) und damit ist die Sache erledigt. Meine Nachbarn lachen. Das komme hier öfters vor, dass beim Bewässern der Pflanzen der Hahn einfach offen bleibt. Macht nichts. Okay, denke ich mir – entspannt sein kann ich.

So bin ich also entspannt vor zwei Tagen als ich, dieses mal kurz vor Sonnenuntergang, mal wieder auf der Couch liege und mir denke, ich höre doch Wasser. Aber jetzt weiß ich ja, dass das okay ist, also bleibe ich erstmal liegen. Dann überlege ich mir irgendwann, dass das Wassergeräusch aber deutlich näher klingt als „normal“ und da stehe ich also doch mal auf, um zu schauen und sehe um die Ecke schon unsere kleine Toilette unter Wasser stehen. Irgendwie ist da ein Hahn aufgegangen und das Wasser schießt da raus. So schnell habt ihr mich noch nicht gesehen, wie ich versucht habe, diesen Hahn abzustellen. Aber der Hahn war kein Hahn mehr. Irgendwas ist weggebrochen und das Wasser ist sturzbachartig herraus geschossen. Mittlerweile stand ich gut mit den Knöcheln im Wasser und wusste: hier brauche ich Hilfe. Also rausgerannt, wieder mal nach Baraka und Cindy geschrien. Der arme Baraka war glücklicherweise nicht weit, aber auch nicht der schnellste beim Rettungsantritt. Wild gestikulierend, auf Englisch, was er nicht versteht. Das Wort Wasser kann ich jetzt aber auch auf Suhali sagen. Also springt er rein. Kann den Hahn auch nicht schließen, rennt ums Haus, um die Leitung von außen zu schließen. Ich stehe mittlerweile gut Wadentief im Wasser und kann es nicht fassen.

Hierzu muss ich sagen, Strom hatten wir an dem Tag auch nicht! Cindy kam zur Hilfe und so haben wir im Dämmerlicht und später im Dunkeln zu dritt mit Handy- und Taschenlampe erleuchtet mit einem Wischmopp und Handtüchern das aufgewischt. Ich habe gedacht, das schaffen wir nie. Aber wohin hätte das Wasser sonst irgendwie hin sollen ohne Abfluss. Es stand da ja und hat sich schon Richtung Schlafzimmer aufgemacht. Wir haben 4 große Eimer voll Wasser weggebracht. Wovon ein Eimer von Cindy und mir und 3 Eimer von Baraka gefüllt wurden. Definitiv hatte er mehr Erfahrung und Kraft in den Händen, um die Handtücher auszuwringen. Bei dem ganzen hin und her bin ich auch ordentlich hingeknallt Zwischendurch.  Barfuß im Wasser rennen: keine gute Idee. Gibt ne Menge blaue Flecken.

Ich kann Euch sagen! Das bauche ich nicht mehr.

Und ich dachte auch, dass meine Geschichte fast nicht zu toppen ist. Doch dann kommt Jennifer gestern an und macht sich am Abend in der Küche was zu Essen. Ich sitze draußen und genieße den wundervollen Sternenhimmel als es einen Riesenknall macht und die Jenny einen Schrei lässt.

Ich komme rein und was hat die arme (mehr als 24 h lang angereiste) Müde gemacht? Auf unserem Gasherd ist ein Glasdeckel. Sie hat nicht daran gedacht, dass der nicht zum drauf Kochen gemacht ist. Sie hat die Herdplatte angezündet und den Topf auf die Glasplatte gestellt und da geduldig ihre Suppe heiß gemacht bis es geknallt hat. Den Glasdeckel haben wir jetzt übrigens nicht mehr! Dafür tausende von Scherben um uns herum, die wir aufgeräumt haben.  Aber egal – hier waren in jedem Fall eine Menge Schutzengel am Start, die auf uns aufgepasst haben. Das hätte ganz anders ausgehen können.

Ihr seht – Leben in Tansania ist Leben in seiner aufregendsten Form.

Eure Mariya

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „mein Leben in Tansania sieht so aus:“

  1. Sie haben meine volle Bewunderung für Ihr Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

    Aus Ihren Erlebnissen könnte irgendwann ein bewegende Buch entsehen „Meine Zeit in Tansania“.

    Ich wünsche weiterhin viel Kraft und Ausdauer.

    Rosi Pfriender

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