20. Juni 2018 – Nicht immer nur wunderbar

Wie werde ich gelobt von jedem. Und eigentlich war ich selber der Meinung, dass ich das alles sehr gut hinbekomme. Hochmut vor dem Fall? In jedem Fall gerade sehr anstrengende, nachdenkliche Tage und Strategiewechsel mit den Mamis.

Was passiert ist?

Los ging es mit meiner Sophia, die Geldbedarf hatte. Die ganze Zeit habe ich mich in der Gewissheit geschaukelt, dass ihr Business sehr gut läuft, war richtig stolz auf sie. Dann habe ich spontan ein paar Bücher angeschaut (recht spät, aber vorher bin ich einfach nicht dazu gekommen) und hoppla, von Buchführung nichts zu erkennen. Die Zahlen, die sie mir erklärt hat, habe ich nicht verstanden ( ich bin Bankerin – das zu verstehen sollte ein leichtes für mich sein 😊) Also haben wir viel Zeit damit verbracht, wie sie ihre Bücher führen muss und wie wir am schnellsten rausfinden können, warum sie am Ende des Tages kein Geld verdient, obwohl sie soviel arbeitet und viele Kunden hat.

Quasi während ich noch mit Sophia rede kommt eine andere Mama, Penina, unter Tränen und erzählt, dass wiederum eine andere Mama von mir, die mit meiner Hilfe eine Kindertagesstätte eröffnet hat, sich schlecht bzw. gar nicht um ihr Kind kümmern würde. Das Kind musste also woanders hin. Daraufhin sind Dorris, Mama Musa (unsere Leiterin hier vor Ort) und ich zu dieser Mama mit der Kindertagesstätte, Modesta, gefahren. Und was hören wir da? Eine ganz andere Geschichte. Und ich kann nicht sagen, welche dieser Geschichten wahr ist. Fakt ist, eine sagt mir nicht die Wahrheit und das fühlt sich definitiv mistig an. Das ist  so schwierig hier. Die Einheimischen sind ganz schnell in irgendeiner Geschichte drin und leider ist oft am Ende alles ein bisschen anders. Ob es immer nur „Lost in Translation“ ist, weiß ich nicht.

Dazu kam dann noch unsere Fahrt in die Stadt. Emanuel und ich fahren aus der Ausfahrt raus und rechts von uns sehe ich eine Frau, die schon öfters Seminare in meinem Koala House besucht hat. Und ich sehe ihr verzerrtes Gesicht und einen Stock in ihrer Hand und höre ihre etwas 12jährige Tochter laut schreien, weil sie gerade ordentlich verprügelt wird. Mir ist so schlecht geworden. Doch als ich den Blick zu Ema werfe schüttelt er den Kopf. Ich weiß es. So oft habe ich davon gehört, aber es noch nie mit ansehen müssen. Zur Erziehung hier ist es total normal, dass Kinder verprügelt werden. Zuhause. In der Schule. Dass hat nichts mit dem Klaps auf den Hintern zu tun, den es bei uns Zuhause wohl mal gibt. Und wenn Ema nicht einschreitet, dann ist das auch was (er ist immer der Erste, der sich einmischt, wo einmischen von nöten ist)

Und es bricht mir das Herz. Manchmal fühle ich mich fast wie Zuhause und dann vergesse ich, dass dieses wunderschöne Land mit den tollen, warmherzigen Menschen trotzdem einfach ganz anders ist. Und dann fragt mich eine Freundin aus Deutschland über Whats App, ob ich denn ausgestiegen wäre (und ich habe gefühlt, dass sie das erwartet hat). Aber ich bin sitzen geblieben. Weil das ein Einmischen in persönliche Dinge ist, die einem auch selber Gewalt bringen können..? oder weil ich mich nicht getraut habe…? Ich habe mich wie ein Versager in dieser Situation gefühlt und das Gefühl lässt nicht los.

Hätte ich ausstiegen müssen trotz Emanuels Einwand? Kann etwas, was in Deutschland ganz einfach zu werten wäre hier anders sein? Oder doch gleich?? Diese Situation lässt mich nicht mehr los.

Am Abend desselben Tages hat Sophia mich nochmal angerufen. Dieses Mal mit der Überraschung, dass eine Behörde Ihren Laden schließen möchte. Wir haben wohl irgendeine Registrierung vergessen.

Ich kann Euch sagen, der Gedanke, das Land fluchtartig zu verlassen ist mir in der Tat gekommen 🙂

Heute, ein paar Tage später, wissen wir zumindest, dass Sophias Laden nach der Zahlung schon wieder offen ist und sie es jetzt auch hinbekommt, Geld zur Seite zu legen jeden Tag.  Wir wissen, dass Modesta für Ihren „Kindergarten“ keine weitere Unterstützung von uns erfahren wird (weil noch mehr inakzeptable Dinge passiert sind).

Heute, ein paar Tage später habe ich alle meine Mamis zum Bücherreport hintereinanderweg bestellt (fühle mich fast in meine Bankerzeit zurückversetzt). Business Review: Nur dass ich diejenige bin, die Zahlen sehen will ☹

Heute, ein paar Tage später laufe ich mit Herzklopfen an der Mama mit der Prügelstrafe vorbei und kann kaum auf ihre freundliche Begrüßung reagieren….

Nachdenkliche, nicht immer wunderbare Grüße aus Arusha (abschließend mit tollen Bildern von tollen Mamas:-) – wir lassen uns nicht unterkriegen.

Eure Mariya

 

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