Die Welt retten… ?!

…geht denn das?

Diese Woche hätte ich gerne meine Freunde um mich herum gehabt. So vieles ist passiert und eigentlich zum ersten Mal seit ich hier bin habe ich mir meine Freunde hierher gewünscht. Jemanden zu haben, der mich gut kennt und bei dem ich in meiner Muttersprache alles loswerden könnte, was mich so beschäftigt.

Es hat sich wohl herumgesprochen, dass wir im Neema Village nun auch Müttern helfen. Jeden Tag kommen ein oder zwei (neben denen, die ich eh schon betreue). Nur allzu oft sehe ich winkende Arme von den Nannys, Dorris oder Priscilla, die bei uns im Büro arbeitet.

„Sorry, Mariya – Pole sana. Da ist eine Mutter. Ich glaube die braucht Dich“

Also stehe ich auf von meinem Arbeitsplatz oder meinem Stuhl in dem ich eigentlich meine Mittagspause verbringen wollte und gehe zu unseren Besuchern. Eine Mama mit ein oder zwei Kindern um sich herum, manchmal den Tränen nahe manchmal auch schon weinend. Manchmal ganz still und zurückgezogen.

Die Krux ist im Moment für mich, dass mein Mütterprojekt ja darauf abzielt, ein Geschäft mit der Mutter zu gründen. Das heißt das Ganze wirkt nicht sofort. Die Mütter, die hier spontan aufschlagen brauchen aber meistens jetzt gleich Unterstützung.

Ich prüfe also andere Wege um erstmal zu schauen, was sie sofort brauchen. Reis, Ugali, Bohnen. Miete für ihr Zimmer/Wohnung. Medizin und medizinische Behandlung für ihre Kinder. In den ersten Gesprächen war ich immer wie erstarrt und wusste erst mal gar nicht, was ich tun soll. Mittlerweile kenne ich die Prozesse besser und weiß, wie wir Gelder für solche Fälle locker machen können. Ich weiß welche Fragen ich stellen muss, damit ich das herausfinde, was ich wissen muss, um zu wissen, ob die Frauen wirklich alle Hilfe brauchen, oder ob sie uns täuschen wollen um zu Geld zu kommen (das passiert nämlich leider auch!)-und wenn das alles erst mal geklärt ist besuche ich die Mütter Zuhause und spreche über Geschäftsideen.

Und ich kann Euch sagen, dass hat diese Woche wirklich an mir gezehrt. Ich habe so viele Hände geschüttelt, Fragen gestellt, auf Übersetzungen gewartet, Wohnungen besichtigt und Tränen getrocknet, dass für meine eigenen kein Raum mehr war. Ich hatte eine traurige Woche – nicht nur wegen diesen Müttern. Wir haben auch einen ganz bezaubernden kleinen Jungen nach Hause zu Oma ziehen lassen müssen. Der kleine Mohammed ist mir seit dem letzten Besuch schon richtig ans Herz gewachsen und es tat weh Abschied zu nehmen. Auch wenn in die Familie integrieren natürlich das ist, was wir hier schaffen wollen.

 

 

Ich war also eigentlich schon mit mir selber beschäftigt als es heute endlich Freitag und Wochenende geworden ist. Nach wieder einem Spontanbesuch einer Mama heute Vormittag habe ich bei meinen jungen Volontären aus Australien eine Umarmung „geschnorrt“. Ich habe ihnen erzählt, wer alles da war in dieser Woche und wie mir das in der Seele weh tut und ich das Bedürfnis habe einfach jeder was zu geben. Was nicht möglich ist.

Und dann sind wir noch zu dieser letzten Mama nach Hause gefahren. Sophia, eine super süße Mama mit einem behinderten kleinen Sohn. Der Vater hat die beiden verlassen, als er gemerkt hat, dass der Kleine eine Behinderung hat. Und wir saßen in diesem kleinen Raum – ich auf dem Boden und Sophia und ich planen ihre nächsten Schritte. Sie wird Mandazi (ein frittiertes Gebäck) und Pfannkuchen auf dem täglichen Markt verkaufen. Ein Freund von ihr hat dort einen Stand und sie kann dort ihre Sachen mit anbieten. Alles ist klar und schlüssig und sie so voller Tatendrang. Ich weiß, dass es klappen wird. Und als wir rausgehen sagt Sam, ein Volontär zu mir:

„Mariya – hast Du nicht gesagt, Du kannst die Welt nicht retten? Aber das hast Du doch gerade gemacht.

Für Sophia hast Du Ihre Welt gerettet!“

„Wow“ habe ich gedacht. Danke Sam! Danke für diese Worte, die mein Herz berührt haben.

Für uns kann eine Geste/ein Tun manchmal unbedeutend und klein erscheinen, doch für den Menschen gegenüber kann es die Welt bedeuten. Also sollten wir, egal wie müde wir manchmal sind, einfach dran bleiben und die Welt retten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viele Gelegenheiten, genau dies zu tun 🙂

Ich umarme Euch

Eure Mariya

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